Deutsche Grabinschriften in einer ungarndeutschen Ortschaft
Friedhofskultur und Grabinschriften in Pula
Német sírfeliratok egy magyarországi németek lakta településen
Temetkezési kultúra és sírfeliratok Pulán
SZAKDOLGOZAT
Mátis Viola
Német szak
Témavezetõ:
Erb Mária doc.
2001.
Inhaltsverzeichnis......................................................................................................... 2
1. Einführung................................................................................................................... 3
2. Geschichtlicher Überblick......................................................................................... 5
3. Brauchtum um den Tod und
um das Begräbnis....................................................... 11
3.1. Abergläubische
Auffassungen um den Tod...................................................... 11
3.2. Tätigkeiten um den
Toten.................................................................................. 13
3.3. Das Begräbnis..................................................................................................... 15
4. Der Friedhof und die
Grabinschriften..................................................................... 20
4.1. Der Friedhof....................................................................................................... 20
4.2. Die Grabsteine.................................................................................................... 22
4.3. Grabinschriften................................................................................................... 26
4.3.1. Aufbau der
Grabinschriften........................................................................ 26
4.3.2. Der Namenbestand der
Grabinschriften.................................................... 30
4.3.3. Grabinschrift als
Zeitdokument................................................................. 34
4.3.4. Grabgedichte................................................................................................ 38
4.3.5. Sprachliche Analyse
der Grabinschriften.................................................. 41
5. Zusammenfassung..................................................................................................... 50
Literaturverzeichnis...................................................................................................... 53
Anhang............................................................................................................................ 55
In den letzten
Jahren entstehen immer wieder Studien und Diplomarbeiten, die sich mit einem
speziellen Bereich der ungarndeutschen Kultur, mit dem Brauchtum um den Tod und
mit der Friedhofskultur beschäftigen. Dies ist ein erfreuliches Zeichen davon,
daß es durch immer mehrere Leute für wichtig gehalten wird, Elemente der
Nationalitätenkultur zu dokumentieren und so zu bewahren. In meiner Arbeit
möchte ich, ähnlich wie die erwähnten Arbeiten, die Friedhofskultur und die
deutschen Grabinschriften einer ungarndeutschen Ortschaft behandeln.
Meine Untersuchungen habe ich in Pula durchgeführt. Der
Auswahl dieser Ortschaft ist sowohl mit objektiven als auch mit subjektiven
Gründen zu erklären. Einerseits hat dieses kleine Dorf im Buchenwald als
selbständige Nationalitätengemeinschaft gelebt und die alten Sitten und Bräuche
sowie die Sprache relativ lange bewahrt, deshalb ist es – meiner Meinung nach –
der Mühe wert, sich mit der Nationalitätenkultur dieses Dorfes zu beschäftigen.
Außerdem wurden, soviel ich weiß, solche ausführliche, komplexe Untersuchungen
zu diesem Thema noch nicht durchgeführt.
Andererseits liegt Pula nicht weit von meinem Wohnort, meine Eltern
beiderseits hatten Vorfahren aus diesem Dorf, und ich hoffte auch darauf, im
Laufe meiner Sammelarbeit von unserer eigenen Abstammung Neues zu wissen zu
bekommen. (Das ist übrigens auch gelungen: es war ein großes Erlebnis, einige
vom unseren Familienstammbaum bekannte Namen auf den Grabsteinen wiederzufinden
und den Stammbaum mit neuen, von den Grabinschriften abgelesenen Daten
bereichern zu können.)
In meiner Arbeit beschäftige ich mich also mit den
geistigen und sachlichen Denkmälern in Verbindung mit dem Tod und mit dem
Begräbnis. Dementsprechend hat die Arbeit zwei große Teile. Zuerst möchte ich
nach einem kurzen zusammenfassenden Überblick der Dorfgeschichte die mit dem
Tod zusammenhängenden Sitten und Bräuche sowie abergläubische Auffassungen über
den Tod vorstellen. Im Mittelpunkt des zweiten Teiles stehen die sachlichen
Denkmäler, die Grabsteine und die deutschen Grabinschriften.
So mußte ich zwei Methoden anwenden: Quellensammlung und
Quellenanalyse. Im zweiten Kapitel habe ich einige bisher entstandene Arbeiten
über die Dorfgeschichte recherchiert. Die Grundlage des dritten Kapitels bilden
die Erinnerungen meiner Gewährsleute, die ich im Laufe der zielgerichteten
Gespräche über Tod und Begräbnis notiert habe. Daneben wurde auch die
Handschrift von István Leitold über das Pulaer Alltagsleben, die für die
Preisausschreibung des Laczkó-Dezsõ-Museums gefertigt und mit dem zweiten Preis
belohnt wurde, auch miteinbezogen. Behandelt wird also ungefähr die erste
Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Zeitspanne, die meine Gewährsleute als Kinder
und Jugendliche miterlebt haben und die Zeit davor, die sie aus den
Erinnerungen ihrer Eltern und Großeltern kennen. Zum vierten Kapitel habe ich
selbst das Korpus gesammelt: ich habe die Grabinschriften vor Ort
abgeschrieben, sowie Fotos und Handzeichnungen von ihnen angefertigt. Die
abgeschriebenen Inschriften werden aus sprachlichen und inhaltlichen
Gesichtspunkten analysiert.
Ich habe alle
Gräber des Friedhofs (243) nummeriert, aber nur die deutschsprachigen
Inschriften (61) abgeschrieben und in meiner Arbeit behandelt. Das Korpus
bilden also alle deutschsprachigen Inschriften, auch solche, von denen einige
Teile schon unlesbar sind. Die zwei ältesten Grabsteine sind aus 1863; der
letzte deutschsprachige Grabstein ist aus 1972, es ist aber ein Sonderfall,
nach den Jahren ’40-50 sind eigentlich keine deutschsprachigen Inschriften mehr
zu finden. Die meisten Grabinschriften stammen aus der Zeitspanne von der
Jahrhundertwende bis zu den 40er Jahren – also ungefähr aus der Zeit, deren
Sitten und Bräuche im dritten Kapitel beschrieben werden. Der Text aller
Inschriften des Korpus ist im Anhang am Ende der Arbeit zu finden.
Pula
liegt am südlichen Fuß des Berges Kabhegy, der der höchste Gipfel des südlichen
Buchenwalds ist. Es liegt nordwestlich von Nagyvázsony, an der ehemaligen nach
Sümeg führenden Heeresstraße, heute ist das die Hauptstraße Tapolca-Veszprém.
Das Dorf war Jahrhunderte hindurch nur über kaum begehbare Erdwege mit der
Außenwelt verbunden, deshalb ist es fast völlig isoliert geblieben und wird
auch heute noch als ein ungarndeutsches Dorf betrachtet. In diesem Kapitel
möchte ich die Geschichte von Pula von der Ansiedlung bis zur Gegenwart
zusammenfassen und in den historischen Kontext der Ungarndeutschen setzen sowie
einen Exkurs über den Pulaer Dialekt machen.
Der
Name des Dorfes ist aus einem Personennamen durch ungarische Namenzugabe
entstanden (Pwla, Pulya, Pulia, Pula). Bereits aus der frühen Eisenzeit wurden
archäologische Funde entdeckt. Im Mittelalter wurde Pula im Jahre 1233 zum
ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Ab dem 17. Jahrhundert gehörte das Dorf
zum Devecserer Besitztum der Familie Esterházy. Zu dieser Zeit aber war es
schon fast entvölkert, und erst mit der Ansiedlung der Deutschen begann es ein
neues Leben.
Die
Geschichtsquellen teilen verschiedene Daten als Ansiedlungszeitpunkt mit, es
ist aber sicher, daß sich Pula in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, mit
der Ansiedlungsaktion der Esterházys wieder bevölkerte. (siehe Abb. 1.: Das
Ansiedlungsmonument) Der Ansiedlungsvertrag ist am 1. Juli 1745 datiert. (Der
Originalvertrag ist nicht bekannt, eine Kopie wird im Archiv des Komitats Zala
bewahrt.) Grünceiszné Józsa Zsuzsanna (1993:12) erwähnt eine Kirchenmatrikel,
wo das erste Neugeborene, das in dieses Taufbuch eingetragen wurde, Georg hieß;
er wurde am 5. Oktober 1746 geboren, seine Eltern waren Adam Fux und Barbara
Fuxin. Von da an findet man in den Taufbüchern immer wieder Einträge, die sich
auf die Pulaer Deutschen beziehen.
Die Mehrheit der Neusiedler
kam aus den mittel-süddeutschen und österreichischen Gebieten, so gehörte ihre
Mundart zu den bairisch-österreichischen Dialekten. Die Bennenung
„Schwabensprache” haben die Pulaer auch heute nicht gern, nicht nur wegen ihres
unterschätzigen Tones, sondern eher deshalb, weil sie davon überzeugt sind,
wirklich keine Sprachverwandtschaft mit den echten Schwaben zu haben.
Das Ungarische Mittelgebirge
gliedert sich sprachlich in ein östliches und in ein westliches Teil, die durch
die Moorer Senke voneinander getrennt sind. Das sprachgeschichtliche Zentrum
des Westabschnittes ist Zirc/Zirtz, wo sich der Ausgleich „unter der Ägide der
donaubairischen ui-Mundart” vollzog. „Die bairischen Dörfer der Wesprimer
Hochfläche bilden eine Brücke von der Zirtzer Kernlandschaft zu den
Rheinfranken auf der Wesprimer Hochfläche, die sich ihrerseits durch
Großwaschon mit dem südfränkischen Plattenseeoberland verbinden lassen.”
(Manhertz – Wild 1990:44)
Der Dialekt von Pula ist ein
donaubairischer ui-Dialekt (Mutter – Muider). Zu den Eigenheiten der Pulaer
Mundart gehört die starke Diphthongierung: Tag – Toag, Brot – Broat, Pula
– Puala. Für die Aussprache der Konsonanten „b”, „d”, „g” ist eine starke
Verhärtung charakteristisch, vor allem in Anlautposition:
Brunnen - Prun / Slégl-Prun, Lautnæ-Prun /
Garten - Koærtn /
Kråokoærtn,
Nåjstiftæ Koærtn /
Dorf - Toærf / Toærfnoærtpruk /
Ebenfalls charakteristisch ist die Wandlung von „b”
zu „v” in intervokalischer Position:
Oben - ouvæn / Ouvæn Koærtn /
Es kommt auch die Vokalisierung der Liquiden vor:
Kapellen - Khåpæün / Khåpæünrígl
/
Zur Eigenheit des Vokalismus gehört die Bewahrung
des mittelhochdeutschen „o” an der Stelle von „a”:
Stall - Stol /
Ræuszstol /
Die oben stehenden Wörter,
die aus der Flurnamensammlung (Halász 2000:368ff) von Pula entnommen sind, sind nur
vorgeführt, um die charakteristischsten Eigenschaften des Pulaer Dialekts
darzustellen. Eine anspruchsvolle Beschreibung des Dialekts oder eine
vollständige Analyse der Flurnamen ist keine Aufgabe der Arbeit und würde die
Schranken dieses Kapitels sprengen. Jedoch ist es aus diesen Beispielen zu
sehen, daß der Pulaer ui-Dialekt
einige Züge des donaubairischen ua-Dialekts
mit einem südbairischen Charakter bewahrt hat. Wegen seiner Isolation blieb das
Dorf eine selbständige Mundartinsel neben den angrenzenden Misch- und
Übergangsdialekten der Wesprimer Hochfläche und des Plattenseeoberlands.
Das Dorf wurde von den
Ansiedlern in kurzer Zeit wieder aufgebaut, was der Anstieg der Bevölkerungszahl
und die Vergrößerung des Dorfgebietes zeigt:
Die Bevölkerung[1]
Jahreszahl Bevölkerungszahl Das Gebiet
1747 119 Jahreszahl Katastraljoch
1770 203 1857 1721
1785 437 1895 2516
1890 530 1935 2540
1930
493
Die neuen
Bewohner beschäftigten sich mit Ackerbau und Viehzucht, worauf auch das
Stempelbild mit der Anschrift „Pula locus” andeutet[2].
Vom Anfang des 19. Jahrhunderts an bauten sie auch Wein an.
Schon im Jahre 1771 gab es
eine Schule in Pula, wo die Unterrichtssprache Deutsch war. Das Magisterhaus
war nicht nur die Wohnung des Dorflehrers, sondern auch ein großes Schulzimmer
war darin zu finden. Der Magister, der auch deutsch und ungarisch sprach, war
zugleich auch der Kantor und der Notar des Dorfes. Als Lohn bekam er Ackerfelder
vom Dorf und Getreide von den Dorfbewohnern.
Im
Laufe der Pulaer Geschichte ist ein starker katholischer Charakterzug zu
finden, der sich in unserer Zeit kaum veränderte.
Die
Pulaer deutschen Siedler waren Katholiker, nach der Besiedlung des Dorfes
gehörten sie auch zu einer Religionsgemeinschaft. Die Kirche als das Zentrum
der Gemeinde mit ihren Sitten und Kirchenfesten beeinflußte und bestimmte ihr
Leben, stärkte ihre Zusammengehörigkeit. Sie waren immer fleißige
Kirchenbesucher und traditionsgebundene Leute.
Pula
war nur im Mittelalter eine Hauptgemeinde, nach der Ansiedlung war das Dorf
eine Filialgemeinde von Nagyvázsony, danach von Vigántpetend. Heute gehört es
wieder zur Nagyvázsonyer Pfarrei.
Schon
vor dem Bau der Kirche gab es eine Kapelle, an der Wand des Einganges steht
1773 als Baujahr. Die Kapelle wird nach dem Schutzpatron, dem Heiligen Florian
genannt, und am Florian-Tag am 4. Mai hält der Priester auch heute hier die
Messe.
Die
Kirche (siehe Abb. 2.) ist 1797 von Jakab Fellner im Auftrag des Erlauer
Bischofs Károly Esterházy gebaut worden. Das Gebäude ist ein
Spätbarock-Baudenkmal, der Schutzpatron der Kirche ist der Heilige Karl
Borromeo. Im Vergleich mit der heutigen Dorfgröße ist die Kirche ziemlich groß,
in der Bauzeit hatte das Dorf aber zweimal so viele Einwohner als heute.
Vom Anfang an bis zum 19.
Jahrhundert wurde die Messe in deutscher Sprache, danach wechselweise deutsch
und ungarisch gehalten. Heute ist die Sprache der Gottesdienste Ungarisch, aber
jeden Sonntag erklingen auch einige deutsche Kirchenlieder.
Aus dem 19. Jahrhundert
blieben nur wenige historische Daten bezüglich Pula erhalten. An dem
Freiheitskampf 1848 nahmen sechs (nach anderen Angaben fünfzehn) 19-20 Jahre
alte Pulaer Jungen teil. Vier von ihnen dienten bei den Zalaer Honvéds Nr. 47,
sie waren die ersten, die bei der Rückoberung von Buda die Burgmitte erreichten
und den General Hentzy am 21. Mai tödlich verletzten.
Mit der weiteren Geschichte
von Pula beschäftigt sich keine Fachliteratur, die eventuell auffindbaren
Angaben sind im Archiv oder bei Privatpersonen schwer zugänglich. Über die
Geschichte des 20. Jahrhunderts habe ich mich bei Dorfbewohnern informiert. Die
traurigste Periode der Dorfgeschichte bedeuteten die beiden Weltkriegen: im
Vergleich mit der Bevölkerungszahl haben sehr viele Männer als Soldaten
gedient. Nach den Tafeln des Weltkriegsmonumentes sind im ersten Weltkrieg 18,
im zweiten 21 Männer ums Leben gekommen, ihre Namen stehen auf den Tafeln
aufgezählt. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts sind viele Menschen für
einige Monaten oder Jahre in Erwartung eines besseren Lebens nach Amerika
ausgewandert, und die meisten sind nie zurückgekommen.
Die Gründung des
Volksbildungsvereins und die Volksbund-Bewegung berührten das Dorf nur in geringem
Maße. Das stimmt mit der Feststellung von Anton Szentfülöpi überein: „Schon vom
Anfang an hatte das UDV eine begrenzte Bewegungsfreiheit, da es dem UDV nicht
ermöglicht wurde, in den deutschen Gemeinden des Bakonyer Waldes eine Tätigkeit
zu entfalten. (…) Nämlich hat es sich Bethlen in diesem Sinne einen ’Wunsch’
ausgesprochen und natürlich hatten das die lokalen Behörden als einen Befehl
ausgelegt.” (Szentfülöpi 1988:88). Demzufolge haben die Vertreibungen das Dorf
auch nicht berührt.
Nach dem zweiten Weltkrieg
gab es jedoch große Veränderungen im Leben der Dorfbewohner. Im Jahre 1950
wurde Pula vom Komitat Zala an das Komitat Veszprém angegliedert und in
demselben Jahr begann der selbständige Dorfrat seine Arbeit. Es entstanden neue
Wege, Gebäude und Institutionen, was die Aufhebung der geographischen
Isoliertheit zur Folge hatte. In diesen Jahren machte sich die ungarisierende
Tendenz merkbar. Obwohl das Dorf die 50er Jahre relativ ruhig überlebte,
fühlten sich die Leute durch ihre deutsche Vergangenheit benachteiligt, zogen
die Volkstracht aus und sprachen immer mehr ungarisch. Dieser Vorgang
verlangsamte sich jedoch in den 70er Jahren, durch die Organisation einer
Laienschauspieler- und einer Volkstanzgruppe ist es einigermaßen gelungen, den
Nationalitätencharakter den Bewohnern wieder bewußt zu machen und auch das Dorf
durch diesen Charakter bekannt zu machen.
Die Dorfbewohnerzahl
verringerte sich doch immer mehr, seit den 60er Jahren zogen viele Leute in die
naheliegenden Dörfer und Städte um. Am Ende der 80er Jahre kam wieder Leben ins
Dorf, in der neuen Straße wurden und werden auch heute Familienhäuser gebaut,
immer mehr Leute wählen nämlich das Dorf für Wohnort wegen der malerischen
Landschaft und der Ruhe des Dorflebens.
Zur Zeit nimmt die Zahl der Bewohner langsam zu, es können aber immer wenigere
als Deutsche bezeichnet werden.
Die Geschichte dieses Dorfes
ist also ähnlich verlaufen wie die vieler anderen Dörfer, mit dem Unterschied,
daß die Ereignisse nach dem Kriegsende, die hinsichtlich des Sprachgebrauchs
und der Identität der Ungarndeutschen schwere Folgen hatten, hier vielleicht
nicht so stark mitwirkten. Jedoch ist es eine Tatsache, daß die alte Traditionen
nicht mehr gepflegt werden und der deutsche Dialekt nur von der ältesten Generation
beherrscht wird – wie in den meisten ungarndeutschen Gemeinden.
Der Tod ist für alle
lebendigen Wesen schmerzvoll, besonders für den Menschen, der schon vom Anfang
an weiß, daß der Tod früher oder später, aber unvermeidlich kommt. Krankheit,
leibliches und seelisches Leid erscheinen als Vorgeschmack des Todes.
In den früheren Zeiten gab
es eine viel stärkere Anteilnahme am Tod eines Menschen als heute. Der Tod
gehörte zum Familienleben und wurde als eine unvermeidliche Fortsetzung des
Lebens miterlebt. Heute ist der Tod aus der Familie gebannt, er begleitet nicht
mehr das Leben, sondern tritt als Katastrophe in den so gesicherten Ablauf des
Lebens ein.
Mit dem Tod verknüpften sich
verschiedene Aberglauben, die ich in drei Gruppen teilte. Zur ersten Gruppe
gehören die todsagerischen Aberglauben, die bestimmte Erscheinungen als Vor-
oder Anzeichen des Todes deuten. Die zweite Gruppe bilden die Aberglauben, die
einen Zusammenhang zwischen dem Tod und dem Wetter suchen. Die zur dritten
Gruppe gehörenden Aberglauben schreiben bestimmte Tätigkeiten vor, die man im
Todesfalle machen soll.
Die Vor- und Anzeichen des
Todes sind nach dem Aberglauben die Folgenden:
·
An
dem Haus, wo ein Totenvogel ruft, wird jemand sterben. Der Totenvogel ruft nach
den Pulaern „kemit, kemit” – ’komm
mit’.
·
Ein
von der Wand herunterfallendes Bild sagte den Tod eines entfernten Angehörigen
voraus.
·
Am
Heiligen Abend darf man keine ausgewaschene Wäsche im Haus aufhängen, sonst
wird jemand nächstes Jahr sterben.
·
Wenn
jemand von sieben Wespen gestochen wird, wird er sterben.
·
Wenn
die Hunde heulen und ihre Köpfe nach unten hängen lassen, wird jemand sterben.
·
Wenn
die Augen des Verstorbenen offen blieben, bedeutete es, daß noch jemand in der
Familie in kurzer Zeit sterben würde.
·
Wenn
man während des Begräbnisses aus dem Friedhof wegging, würde jemand aus seiner
Familie sterben.
Zu der zweiten Gruppe
gehören die folgenden Aberglauben:
¨ Wenn es während des
Begräbnisses regnete, dann wurde gesagt, daß sogar der Himmel weint, der
Verstorbene wird im Jenseits glücklich und froh sein.
¨ Wenn man von den Toten
träumte, wurde gesagt, daß es regnen wird.
Zu der dritten Gruppe der
Aberglauben gehören die Folgenden:
§
Der
Spiegel im Trauerhaus muß mit einem weißen Tuch zugedeckt werden, damit man den
aufgebahrten Toten im Spiegel nicht erblicken kann. Die Erklärung davon ist,
daß die Ehrfurcht gegenüber dem Toten die Eitelkeit ausschließt.
§
Im
Trauerhaus soll man die Uhr still stehen lassen.
§
Auf
die Augen des Verstorbenen sollen Münzen gelegt werden, damit sie geschlossen
bleiben; die offene Augen bedeuten, wie bereits erwähnt, einen folgenden
Todesfall.
Aus der oben stehenden
Gruppierung ist es zu sehen, daß die Gruppe der todsagerischen Aberglauben die
umfangreichste ist. In diesen Glauben kommen vor allem Träume,
charakteristische Verhaltensweisen von Tieren, besondere Ereignisse mit
Gegenständen vor. Nach Ernõ Kunt (1980:324-332) haben solche Aberglauben eine praktische
Funktion: durch sie ist die Familie, die Gemeinschaft ständig vorbereitet
darauf, daß ein Mitglied dieser Gemeinschaft stirbt, so kann ein Todesfall – da
er nicht unerwartet kommt – leichter vertragen und aufgearbeitet werden. Jedes
Vorzeichen ist also ein symbolisch formulierter „Memento mori”-Fall: es schützt
die Gemeinschaft vor dem Schock eines unerwarteten elementaren Verlustes.
Wenn jemand im Haus starb,
holte ein Kind aus der Familie oder ein Nachbar den Leichenbeschauer ab. Er
betastete die Halsarterie des Gestorbenen, so konnte er feststellen, ob er
wirklich tot war. Wenn er tot war, stellte der Leichenbeschauer den Totenschein
aus, aber der Verstorbene wurde noch zwei Tage lang nicht begraben.
Im
Haus traf eine tiefe Stille ein. Der Spiegel an der Wand wurde mit einem Tuch
bedeckt und die anderen kleineren Spiegel umgedreht. Ein Angehöriger versorgte
den Verstorbenen. Der Körper des Toten wurde einer vollkommenen Waschung
unterzogen. Wenn die Augen des Verstorbenen offen blieben, schloß der
Leichenwäscher sie noch vor der Waschung. Zuerst wurde der Körper seiner
Alltagskleidung entledigt, dann goß man warmes Wasser in einen alten Teller und
der ganze Körper wurde mit einem gebrauchten Tuch gewaschen, erst das Gesicht,
zuletzt die Füße des Verstorbenen, damit das Wasser den gesamten Körper
erreicht und reinigt. Das Wasser, das nach der Waschung des Verstorbenen
übrigblieb, wurde ins Feuer gesprüht. Der Teller wurde zerbrochen und mit dem
Tuch zusammen in der Erde vergraben. Dann wurde der Verstorbene mit einem
Handtuch abgetrocknet. Das Handtuch wurde nicht ausgewaschen, nur getrocknet.
Wenn einer der Eheleute starb, wurde dieses Handtuch in den Schrank gesteckt
und erst dann hervorgenommen, wenn auch der andere dahinschied. Er wurde auch
mit diesem Handtuch getrocknet und zuletzt kam es unter das Kopfkissen in den
Sarg.
Danach
wurde der Tote angezogen. Den Frauen wurde ihr Festkleid angelegt. Wenn die
Tote ein Mädchen war, wurde auch eine Schleife in ihr Haar gebunden. Wenn eine
Braut oder ein heiratsfähiges Mädchen starb, wurde auf ihren Kopf ein
Myrtenkranz gelegt. Den Männern wurde auch ihr Festkleid angelegt, sogar ihr
Hut wurde neben sie gelegt. Der Verstorbene wurde gekämmt, und der Kamm wurde
ebenfalls in den Sarg gelegt. Inzwischen haben die anderen Familienmitglieder
das Totenbett vorbereitet: der Strohsack im Bett wurde mit einem weißen Bettuch
bedeckt, auf das zwei Kissen in weißem Bezug kamen. Jetzt wurde der Verstorbene
ins Bett gelegt. Sein Kinn wurde mit einem Kopftuch aufgebunden, dann wurden
seine Hände auf der Brust gefaltet. Der Rosenkranz wurde auf seine Finger
gezogen, und darüber wurde das Gebetbuch gelegt. Die Männer hatten einen
schwarzen, die Frauen einen silberfarbigen Rosenkranz. Der Tote wurde zuletzt
mit einem für diesen Fall angefertigten Leichentuch zugedeckt. Das war eine
verzierte Decke, am Rande war sie mit Häkelspitze geschmückt, und es waren dem
Geschlecht des Verstorbenen entsprechende Schleifen auf sie genäht: bei Männern
war die Decke mit blauen, bei Frauen mit rosafarbigen Schleifen verziert. Der
Tote war mit der Decke vollkommen zugedeckt, nur dann wurde er aufgedeckt, wenn
jemand ihn sehen wollte.
Der
Tisch im Trauerhaus wurde auch mit einem weißen Tischtuch bedeckt. Auf den
Tisch wurden ein Glas Weihwasser und eine geweihte Kerze in einem Glas
gestellt; neben das Glas legte man drei Roggen- oder Weizenähren. Das Haus
hatte meistens nur ein Zimmer, deshalb schliefen die Kinder bei den Verwandten.
Die Erwachsenen blieben zu Hause und schliefen im Zimmer, in dem der Tote lag.
Die
Todesnachricht verbreitete sich im Dorf schnell. Abends kamen die Verwandten
und Freunde, um Totenwache zu halten. Wenn sie wollten, durften sie sich den
Verstorbenen ansehen. Wenn jemand Angst vor dem Toten hatte, wurde ihm gesagt,
daß er die Füße des Toten anfassen soll, damit er keine Angst hat. Die
Wachfrauen blieben dann im Zimmer mit dem Toten und begannen laut zu beten. Sie
beteten und sangen bis zur Mitternacht, dann waren die Männer an der Reihe vom
Mitternacht bis Tagesanbruch. Die Wachleute wurden mit Gugelhupf und Wein
bewirtet.
Über
den Todesfall benachrichtigte man die anderen mit Geläute. Der Verstorbene
wurde an dem Tag vor der Bestattung dreimal ausgeläutet. Wenn eine Frau gestorben
war, ließ man die Glocke zweimal, bei einem Mann dreimal mit kurzer Pause
ertönen, dann läutete man mit zwei Glocken. Die älteren Leute wurden mit der
größten Glocke, die jüngeren mit der mittelgroßen, die Kinder mit einer kleinen
Glocke ausgeläutet.
Der
Verstorbene wurde zwei Tage nach seinem Tode beerdigt, bis dahin wurden die
Amtssachen und die Bestattungsvorbereitungen erledigt.
Der
Todesfall sollte auf dem Notariat in Taliándörögd, später in Nagyvázsony und
bei der Pfarrei angemeldet werden. Der Sarg wurde auch in Nagyvázsony bei dem
Tischler bestellt. Der Tischler fertigte ihn und das Grabkreuz an. Auf das
Grabkreuz wurden der Name des Toten, das Todesjahr und die Lebenszeit
geschrieben. Sie wurden auch auf die Seiten des Sargs daraufgemalt. Der Sarg
wurde mit dem Pferdewagen nach Hause geliefert, dann wurde er im Totenzimmer
auf drei Stühle gestellt und mit Weihwasser besprüht. Der Tote wurde in den
Sarg gelegt. Unter seinen Kopf legte man ein weißes Kopfkissen, darunter das
Kopftuch, mit dem das Kinn des Toten aufgebunden war. In den Sarg einer
verheirateten Frau wurde auch ein Stück ihres Brautkleids gelegt. Zuletzt wurde
der Tote mit dem Leichentuch bedeckt. Wenn jeder aus der Trauergemeinde den
Toten gesehen hatte, nagelte jemand von den Totenträgern den Sarg zu. Noch
davor wurde aber der Rest des Weihwassers mit den drei Roggenähren zusammen in
den Sarg gegossen.
Ein
Mann von der Familie (der Gatte, der Sohn oder der Bruder des Verstorbenen) lud
die Totengräber ein. Die Totengräber waren Verwandten, Schwippschwäger,
Gevattern, Nachbarn, aber keine unmittelbare Familienmitglieder. Das Grab wurde
einen Tag vor dem Begräbnis ausgehoben. Für die Grabstätte brauchte man nicht
zu bezahlen, aber man konnte sie nicht selbst aussuchen. Man wurde dort
bestattet, wo es gerade Platz gab. Die Eheleute wurden jedoch nebeneinander,
die Familie oft mit den Kindern zusammen in dasselbe Grab beerdigt.
Die
Bestattungszeremonie fand an drei Orten statt: erstes als Gottesdienst in der
Kirche, zweitens als Andacht im Trauerhaus und drittens im Friedhof. Die
Totenmesse, an der die ganze Gemeinde teilnahm, wurde in lateinischer und
ungarischer Sprache gehalten, die Kirchenlieder wurden auf deutsch gesungen.
Zur Totenmesse gehörten die Verkündigung des Evangeliums, Lieder, Gebet,
Fürbitte und Segen. Die Predigt sprach vom Ernst des Todes und tröstete die
Trauernden mit der Botschaft der Auferstehung. Sie gedachte auch des
Verstorbenen und würdigte ihn.
Nach
der Totenmesse wurde die Bestattungszeremonie im Hof des Trauerhauses
fortgesetzt. Die Leichenträger brachten erst am Tag der Bestattung die
Totenbahre zum Trauerhaus. Sie wurde in die Mitte des Hofes gestellt. Der Sarg
wurde auf die Totenbahre so gelegt, daß die Füße des Verstorbenen nach dem Tor
wiesen. Neben den Sarg stellte man Kerzen in zwei großen Leuchtern, die die
Leichenträger mitbrachten. Auf den Sarg wurde eine brennende Kerze gestellt.
Die hausgemachten Kränze wurden auch darauf gehängt. Am Fußende des Sarges
stand der Pfarrer, neben ihm der Kirchendiener, der das Weihwasser und das
Rauchfaß hielt, der Kantor und die Ministranten. Vor der Tür standen die
nächsten Angehörigen des Verstorbenen, in der ersten Reihe die in erster Linie
Betroffenen, der Gatte oder die Gattin, die Kinder, die Brüder und die
Schwestern des Toten, in der zweiten Reihe die Geschwisterskinder. Die
Bekannten und die Freunde standen gegenüber der trauernden Familie. Die
Familienmitglieder kleideten sich in schwarz, die anderen Anwesenden in
Festkleidung, die Frauen und die Mädchen banden ein schwarzes Kopftuch um und
die Männer hatten einen schwarzen Hut auf, den sie nur während des Gebets
abnahmen. Die Sprache der Zeremonie war Latein, dann wurden unter der Leitung
des Pfarrers oder des Kantors deutsche Trauergesänge gesungen. Zum Schluß hielt
der Kantor eine kurze Grabrede auf deutsch, er verabschiedete sich im Namen des
Verstorbenen von den nächsten Angehörigen, den Bekannten und den Freunden.
Nach
der Grabrede machte sich der Trauerzug auf den Weg zum Friedhof. Vorne trug ein
Taufkind oder ein Verwandter das Grabholz. Ihm folgten die Ministranten in
weißem Hemd mit schwarzem Kragen, der Pfarrer, der Kantor und der
Kirchendiener. Nach ihnen brachten die sechs Träger den Sarg auf der
Totenbahre, zwei vorne, zwei in der Mitte und zwei hinten. Wenn der Tote ein
Neugeborener war, wurde er von seiner Patin in einem kleinen weißen Sarg auf
dem Kopf zum Friedhof gebracht. Der Sarg eines kleinen Kindes wurde von zwei
Knaben und zwei Mädchen zum Grabe gebracht. Wenn ein Jugendlicher starb, waren
die Träger seine Freunde und Altersgenossen, vier dunkel gekleidete Jungen
trugen den Sarg, und vier Mädchen in weiß gekleidet gingen neben ihnen. Dem
Sarg folgte die Trauergemeinde. Auf dem Weg zum Friedhof wurden die Lieder „Zur
Leichenbegängniss” und "Durch die Gnade…" gesungen[3].
Solange der Trauerzug das
Tor des Friedhofs nicht erreichte, läutete es. Innerhalb des Friedhofstores
stellten die Träger die Totenbahre ab, um eine kleine Rastpause zu halten.
Inzwischen betete der Kantor lateinisch, dann wurde in einigen Fällen auch das
Lied „Zum Libera” gesungen.
Danach wurde der Sarg zur
Grabstelle gebracht. Auf dem Weg vom Tor bis zum Grab sang der Trauerzug das
"Schicksalslied"[4].
Am Grab wurde der Sarg so gestellt, daß der Kopf des Toten nach Norden wies.
Direkt vor dem Sarg standen der Pfarrer, der Kantor und der Kirchendiener, die
Trauernden standen hinter ihnen. Nachdem die Kränze vom Sarg abgenommen wurden,
verrichtete der Pfarrer die Zeremonie. Er segnete die Grabstätte und sprengte
Weihwasser auf den Sarg und das Grab. Dann folgte ein Gebet für den
Verstorbenen, in dem um die Vergebung der Schuld, Annahme bei Gott und das
ewige Leben erbeten wurde. Der Kantor sang das Lied "Waldeslust".
Während der Absenkung des Sarges in das Grab betete und sang die Trauergemeinde
zusammen unter der Leitung des Kantors und des Pfarrers das Lied "Urlaub
nehm ich…".
Der
Pfarrer warf dreimal mit Hilfe einer Hacke Erde ins Grab, danach warfen auch
die Angehörigen drei Handvoll Erde in die Todesgrube. Während das Grab von den
Trägern geschlossen wurde, sangen die Trauernden zusammen und beteten das
Apostolische Glaubensbekenntnis. Nachdem das Grabholz eingestellt und der
Grabhügel angefertigt waren, wurde auf den Hügel mit der Schaufel das apostolische
Kreuz geschlagen. Die Schaufel wurde einmal in längsseitiger Richtung, zweimal
kreuzweise auf den Hügel gelegt und daraufgeschlagen. Dann wurden die Kränze
auf den Grabhügel gelegt, die der nächsten Angehörigen legte man auf das
Grabholz. Diese Kränze blieben hier sechs Wochen lang, dann wurden sie
verbrannt.
Am
Ende der Beerdigung bedankten sich die Angehörigen bei der Trauergemeinde
dafür, daß sie den letzten Weg des Toten begleitet haben, und luden die Träger
des Sarges und die nächsten Verwandten zum Totenmahl ein. Die Frauen vom
Trauerhaus deckten den Tisch mit einem Damasttischtuch, darauf stellten sie
Weingläser und Teller. Wenn sie wenige Stühle hatten, legten sie Bretter auf
zwei Hocker, um die Zahl der Sitzplätze zu erhöhen. Die Sitzordnung war nicht
festgelegt. Es wurden Hühnersuppe, Suppenfleisch mit Tomatentunke oder mit
Meerrettich, gefüllte Sauerkraut, Gugelhupf und mit Honig und Nuß gefüllter
Kuchen gegessen und Wein getrunken. Die Gäste unterhielten sich still von dem
Leben und der Krankheit des Toten, um den Schmerz durch die Erinnerung zu
verkleinern. Sie blieben nicht lange bei den Trauernden, sie gingen still nach
Hause.
Nach
der Bestattung wurde alles aus dem Totenbett auf den Dachboden hinaufgetragen.
Hier waren das Kissen, der Strohsack und das Laken sechs Wochen lang, dann
wurden sie wieder heruntergebracht. Das Stroh wurde aus dem Strohsack
herausgenommen und verbrannt. Dann wurden das Bettuch, der Strohsack und der
Kissenbezug ausgewaschen und getrocknet, so konnten sie wieder verwendet
werden. Die Kleider, die man während der Bestattung trug, wurden auch erst nach
sechs Wochen ausgewaschen.
Das
Andenken des Verstorbenen wurde damit zum Ausdruck gebracht, daß die
Hinterbliebenen ein ganzes Jahr lang Trauerkleidung trugen. Die Frauen und die
Kinder waren ein volles Jahr in Trauer gekleidet, für die Männer war es nicht
so charakteristisch, sie gingen aber während des Trauerjahres weder tanzen noch
in die Kneipe. Man ließ für den Verstorbenen zur Jahreswende seines Todes eine
Messe lesen. Das Grab des Toten wurde auch liebevoll gepflegt. Nach sechs
Wochen nahm man die verdorrten Kränze herab und pflanzte Blumen in die Erde.
Ein Grabstein wurde erst später anstatt des Grabholzes gestellt, als der
Grabhügel schon etwas abgesunken war. Festtags, am Namens- und Geburtstag des
Toten wurden Blumen auf das Grab gebracht. Zu Allerheiligen brachte man Kränze
und Kerzen zum Grab und betete für den Verstorbenen.
Nach Ernõ Kunt (1983) ist
ein Dorffriedhof ein organischer Bestandteil der örtlichen Kultur; das Dorf der
Toten, das mit dem lebenden Dorf zusammen die Dorfsgemeinschaft repräsentieren
kann. Deshalb ist der Friedhof kein fremdes, vom Dorf abgeschlossenes Gebiet. In den Urzeiten waren die Toten in der
Nähe der Kirche (vgl. das Wort „Kirchhof”) begraben, erst am Ende des 18.
Jahrhunderts kam in Gebrauch, daß die Friedhöfe an den Rand der Siedlungen
versetzt werden.
Der Pulaer Friedhof befindet
sich westlich vom Dorf auf einem kleinen Plateau, durch einen natürlichen
Graben von dem Dorf getrennt. Im südwestlichen Teil des Friedhofs gibt es ein
kleines Gebiet, wo keine Gräber gegraben wurden und werden. Nach den
Einheimischen gab es hier die mittelalterliche Kirche. Das Gebiet unmittelbar
beim Friedhof in westlicher Richtung heißt Khiæriåkær
(Kirchenäcker) und wurde vermutlich nach dieser Kirche genannt. Ich habe keine
Angaben darüber gefunden, wann der Friedhof eingeweiht wurde, die erwähnten
Tatsachen lassen aber darauf schließen, daß er schon vom Anfang an am heutigen
Platz lag, und nicht erst später aus dem Wohngebiet zum Dorfrand versetzt
wurde.
Darauf verweist auch die
äußere Form des Friedhofs. Kunt teilt die ungarischen Dorffriedhöfe in drei
Gruppen ein: erstens gibt es Friedhöfe mit einer einfachen Ordnung, zweitens
Friedhöfe, in denen eine Kirche oder Kapelle im Zentrum steht, drittens
Friedhöfe mit einer im voraus geplanten, durch gradlinig verlaufende Wege
untergliederten Anlage. Auf Grund dieser Einteilung gehört der Pulaer Friedhof
zu der ersten Kategorie: es gibt keine Spuren der Anpassung an eine äußere,
vorgeschriebene Ordnung, die wenigen Pfaden verlaufen zweckmäßig zwischen den
Grabhügeln und gliedern sie zu größeren und kleineren Gruppen. Das einzige
Ordnungsprinzip ist die gleiche Ausrichtung der Gräber. Eigentlich steht der
Friedhof auch an der zweiten Gruppe nah, Kunt bemerkt nämlich, daß auch ein
einsames Kreuz statt der Kirche auf den katholischen Friedhöfen kleinerer
Dörfer stehen kann, das über die Gräber aufragend die konfessionelle
Zugehörigkeit der hier begrabenen Toten anzeigt. Im Pulaer Friedhof steht auch
ein Friedhofskreuz in der Mitte des Friedhofs, die Grabsteine sind aber nicht
ihm zugewendet, sondern stehen parallel zueinander, nord-südlich gerichtet.
Dies ist aber auch mit der Geländegestaltung zu erklären.
Der Friedhof (siehe Abb. 3.)
weist kein einheitliches Bild auf. Die Anordnung der Gräber ist – den oben
erwähnten Tatsachen entsprechend – nicht vom Alter, Familienzustand und vom
Status der Verstorbenen bestimmt. Ich habe auch keine Spuren davon gefunden,
daß – wie in vielen Friedhöfen – Verstorbene anderer Konfession oder
Selbstmörder von den anderen Gräbern separiert am Rande des Friedhofs begraben
wurden. Auch zeitliche Tendenzen der Anordnung sind nicht festzustellen, ältere
und neuere Gräber liegen scheinbar unregelmäßig nebeneinander.
Familienmitglieder und Verwandten scheinen jedoch in der Nähe von einander
begraben zu sein.
Grabkreuze stehen nur auf
wenigen Gräbern, die Mehrheit der Hinterbliebenen ließen Grabsteine, die aus
rotem Stein oder Beton angefertigt wurden und der Verwitterung besser
widerstehen können, aufstellen. Unter den Grabsteinen gibt es einige, die aus
speziellen Gründen des Andenkens würdig sind. Einer davon bewahrt die
Erinnerung an die Cholera-Epidemie im 19. Jahrhundert. Nach dem örtlichen
Volksglauben hört die Epidemie auf, wenn ein Grabkreuz umgekehrt, also nicht
beim Kopf, sondern an den Füßen des Verstorbenen gestellt wird. Darum ist
dieser Grabstein so gestellt, der Inschrift darauf ist unlesbar, die Jahreszahl
ist vermutlich 1851.
Die Pulaer sind sehr stolz
auf die neue Leichenhalle (siehe Abb. 4.), die 1993 gebaut wurde. Das schöne
Gebäude harmoniert sehr gut mit der ruhigen, behaglichen Stimmung des
Friedhofs. Hier wird neuerdings die Totenmesse gelesen.
Die Dorfbewohner lassen den
Friedhof nicht verwildern. Die Gräber sind gepflegt. Der Verstorbenen wird an
seinem Namens- und Todestag gedacht, auch zu Allerheiligen werden die Gräber in
Ordnung gebracht und mit Blumen und Kerzen geschmückt. Die ältere Grabsteine an
den Gräbern der Verstorbenen, die wahrscheinlich keine Verwandten mehr haben,
sind aber in Gefahr. In meiner Inschriftensammlung ist auch die Inschrift eines
Grabsteins aufgenommen, der noch an seinem Platz, aber schon umgestürzt ist
(siehe Abb. 6.). Im folgenden Jahr wird er vielleicht nicht mehr da sein. Auf
dem Grundriß des Friedhofs (siehe Abb. 5.) ist zu sehen, daß zwei Grabsteine
(mit den Nummern 242 und 243) von den anderen Gräbern getrennt, neben der
Leichenhalle stehen. Nach meinen Informanten standen sie ursprünglich irgendwo
auf dem Friedhof, erst in den letzten Jahren wurden sie an diesen Platz
versetzt, weil sie „im Wege standen” und von niemandem mehr gepflegt wurden. Angeblich
werden weitere, von niemandem mehr besuchte Grabsteine auch versetzt und bei
der Leichenhalle gesammelt werden. Mit diesem Verfahren bin ich nicht
einverstanden, meiner Meinung nach sollten die Grabsteine auf ihrem Platz
gelassen werden und die schon labilen Steine auch auf ihrem Platz mit Erde
angestützt und befestigt werden, damit sie nicht umstürzen. Es gibt ja keinen
Mangel an Platz für neuere Gräber, die Versetzung der Grabsteine wäre also
nicht unbedingt nötig. Die Versetzung ist aber ohne Zweifel doch ein Mittel zum
Bewahren der alten Grabsteine und viel besser, als wären sie nur ihrem
Schicksal überlassen.
Die
Grabmäler sind die Ruhestätten des Toten, sie bewahren die auf ihn bezogenen
Daten, im allgemeinen in einer den religiösen Erwartungen und Normen
entsprechenden Art, so halten sie die Erinnerung an den Verstorbenen wach. Die
verbreiteteste Hauptform des Grabmals ist der Grabstein, der aus verschiedenen
Materialien, in verschiedenen Formen angefertigt und mit verschiedenen, aber
meistens religiös bestimmten Symbolen verziert werden kann.
Die
meisten von mir behandelten Grabsteine sind aus natürlichen Steinen, nämlich
aus Sandstein angefertigt. Die Farben der Steine sind meistens weiß, rot und
grauweiß. Kunststeingrabsteine kommen in meiner Sammlung kaum vor, da sie erst
später verbreitet wurden, in der Zeit, als die Sprache der Inschriften eher
ungarisch war; die ungarisch beschrifteten Steine stehen außer meinem
Untersuchungsbereich.
Von
den durch Ibolya Sax (2000:138) besprochenen Grabsteinformen (einfaches Kreuz,
Säulenkreuz, Grabstein mit freistehendem Kreuz, „Permite”, viereckiger
Grabstein aus Marmor, Granit oder Kunststein) kommen nur die Formen einfaches
Kreuz (siehe Abb. 7.) und Säulenkreuz (siehe Abb. 8.) vor. Der Grabstein mit
freistehendem Kreuz und die „Permite” scheinen in dieser Gegend nicht besonders
verbreitet zu sein, die viereckigen Grabsteine stammen ebenfalls aus den
letzten Jahrzehnten und sind ungarisch beschriftet. Mehrere Grabsteine des Pulaer
Friedhofs gehören aber zu dem Typ, für den die Benennung „Doppelgrabstein”
eingeführt werden kann (siehe Abb. 9., 10.). Darunter wird ein Grabstein
verstanden, der aus zwei Teilen besteht und zwei getrennte Schriftplatten hat,
die zwei Teile sind jedoch von einer einzigen unteren Tafel und eventuell von
einem einzigen oberen Kreuz verbunden. (Es können auch zwei getrennte Kreuze
auf den zwei Teilen stehen.) Zwischen den zwei Schriftplatten gibt es manchmal
eine Maria- oder Christusfigur (oder nur noch den Platz der Figur). Der
gemeinsame untere Teil enthält oft die Abschiedsformel „Friede seiner Asche”,
den Namen der Person, die das Grabmal gewidmet hat, und/oder den Namen des
Steinmetzers. Dieser Typ der Grabsteine kommt meistens an den Gräbern der Eheleute
vor.
Auf
den Grabsteinen gibt es außerhalb der Inschriften auch nichtsprachliche
Zeichen, Verzierungselemente, die oft eine Symbolfunktion haben. Sie können in
den Stein gemeißelt oder gemalt sein, oder sich vom Stein reliefartig abheben.
Der Platz und die Erscheinungsform dieser Ornamente hängen nach Katharina
Soltész (1999:8) zusammen: „Für die einzelnen Felder sind jeweils bestimmte
Gruppen von Zeichenmotiven charakteristisch, deren Glieder in paradigmatischer
Beziehung zueinander stehen, d.h. daß sie einander an der gegebenen Stelle
ersetzen können, aber einander – abgesehen von einigen Ausnahmefällen – in der
gleichen Position auch gegenseitig ausschließen.” Die auf den Grabsteinen des
Pulaer Friedhofs vorkommenden Verzierungselemente werden aufgrund der
Einteilung von Soltész beschrieben.
Im
„Feld I.” (in der Mitte des den Stein abschließenden Kreuzes) stehen meistens
die Buchstaben IHS und das Kreuzmotiv. Die Buchstabenfolge IHS (in mehreren
Formen in der Form JHS) ist ein
Christusmonogramm und steht als Abkürzung für „Jesus Hominibus Salvator”
(=Jesus, Erlöser der Menschen). Aus der Querlinie des H wächst ein Kreuz empor.
Das Kreuzmotiv erscheint in einigen Fällen mit Korpus, meistens aber ohne. Das
Kreuz symbolisiert den christlichen Glauben und steht als Erinnerung an den Tod
Jesu Christi. In einem einzigen Fall (Inschrift 182.) gibt es in diesem Feld
ein tulpenförmiges Loch, wahrscheinlich den Platz einer Blumenverzierung (siehe
Abb. 11.). Oft steht im Feld I. nichts, in einigen Fällen kann aber der Grund
dafür sein, daß die Einmeißelung wegen der Verwitterung nicht mehr zu sehen
ist.
Im
„Feld II.” (im Übergangsbereich zwischen Schriftplatte und Kreuz) erscheint in
den meisten Fällen eine stilisierte Trauerweide, seltener ein Foto, Blumen- und
Kreuzmotiv (siehe Abb. 12., 13.). Die Trauerweide „symbolisiert (…) den
Lebensbaum, zugleich ist es aber auch die Versinnbildlichung der Trauer. Darin
klingt auch die volkstümliche Bezeichnung des Baumes durch (Trauerweide, ung.
’szomorúfûz’), und man kann nicht umhin, mit den kraftlos herunterhängenden
Ästen und Zweigen die psychische Verfassung (und die typische Körperhaltung!)
der trauernden Hinterbliebenen zu assoziieren.”(Soltész 1999:8) Die Trauerweide
erscheint auf den untersuchten Grabsteinen meistens asymmetrisch und in nicht
so vielen verschiedenen Formen wie die durch Soltész dargestellten
Trauerweiden.[5] (Die Formel
„hier ruhet” erscheint manchmal bogenförmig oberhalb der Trauerweide.) In zwei
Fällen befindet sich ein Foto des Verstorbenen in diesem Feld. Auf den
Doppelgrabsteinen erscheinen in diesem Bereich Blumen (mit vier oder sechs
Blumenblättern), in zwei Fällen eingemeißelte Kreuze, in einem Fall Kränze. Die
Blumen sind beliebte Zierelemente, Zeichen der Vergänglichkeit und des
Wiedersehens nach dem Tode. Andere, von Ibolya Sax und Katharina Soltész
angeführte Motive kommen in diesen beiden Feldern nicht vor.
Im
„Feld III.” (auf der Schriftplatte) sind keine Verzierungselemente zu finden.
An einem Doppelgrabstein gibt es eine Trauerweide in diesem Bereich, an einem
anderen befindet sich eine Mariafigur zwischen den beiden Schriftplatten.
Außerdem gibt es nur noch die Inschriften in diesem Feld.
Die
erwähnten Verzierungselemente ragen aus der Steinfläche heraus oder sind wie
die Inschriften in den Stein eingemeißelt. Auf vielen Grabsteinen, vor allem
auf den älteren, aus rotem Stein angefertigten kleineren, gibt es nur die
Inschriften, keine Verzierungsmotive. Auf einigen Grabsteinen gab es einst doch
Ornamente, die aber im Laufe der Zeit abgebrochen oder abgeschliffen sind. Im
allgemeinen weisen die Verzierungsmotive einen geringeren Formenreichtum auf
als die in den zwei zitierten Arbeiten behandelten Motive. Ich kann keinen
Zusammenhang zwischen den benutzen Symbolen und der Beschriftung, bzw. den
benutzten Symbolen und auffallenden Parametern des Verstorbenen (wie Alter,
Geschlecht usw.) feststellen. Wahrscheinlich wurde der Gebrauch der Zeichen nur
durch die Tradition bestimmt und nicht durch diese vermuteten Zusammenhänge.
Unter
Grabinschrift wird die Gesamtheit aller auf dem Grabstein erscheinenden
Grapheme mit Ausnahme der Signatur des Steinmetzen verstanden. Die Funktion der
Grabinschrift ist, eine Erinnerung dem Verstorbenen zu setzen, seine
Identifizierbarkeit zu sichern und im Namen der trauernden Hinterbliebenen
Abschied von ihm zu nehmen. Die Grabinschrift enthält einerseits den Namen, das
Geburts- und/oder das Sterbedatum des Verstorbenen, andererseits oft auch
bestimmte wiederkehrende Wendungen und weitere Angaben sowie eine Würdigung des
Toten, ein Grabgedicht usw. In diesem Kapitel werden diese Teile der
Grabinschriften systematisiert und beschrieben.
Da
es keine einheitliche, allgemein anerkannte Terminologie vorliegt, sollen
einige Begriffe eingeführt werden, um den Aufbau der Grabinschriften besprechen
zu können. Die kurze, phrasenartig scheinende Formel Hier ruhet/ Hier ruhet in
Gott usw., die am Anfang der Grabinschrift steht, wird
"Beginnformel" genannt. Der Name, das Geburts- und/oder Sterbedatum,
eventuell auch das Alter des Verstorbenen, die also an jedem Grabstein
unterschiedlich sind, werden mit dem Begriff "identifizierender Teil"
zusammengefaßt. Der darunter stehende kurze Satz, der als eine Art Abschluß der
Inschrift betrachtet werden kann und der Beginnformel ähnlich phrasenartig
erscheint, wie z.B. Friede seiner Asche,
wird "Schlußformel"genannt.
Betrachten
wir eine prototypische Grabinschrift (z.B. Inschrift 102.), läßt sich das
folgende Grundschema der Grabinschriften aufstellen: "Beginnformel +
identifizierender Teil + Schlußformel + sonstige Elemente"; wobei der
identifizierende Teil als Minimalbedingung für eine Grabinschrift
obligatorisch, die anderen Elemente des Grundschemas fakultativ erscheinen:
Hier ruhet - Beginnformel
ADAM KRONEISZIN -
identifizierender Teil
geb.
THERESIA KLUNG
geb. im Jahre 1828
gest. im Jahre 1892
Friede ihrer Asche -
Schlußformel
Hingestellt von ihrer - sonstige Elemente
Tochter MARIA KRONEISZ
Die
Beginnformel ist zwar fakultativ, da eine Grabinschrift auch ohne sie ihre
Funktion erfüllen könnte, erscheint dennoch im Korpus in allen Inschriften. Sie
kommt meistens bloß als Hier ruhet / Hier ruhen vor, in einigen Fällen wird
das mit einer Modal- bzw. Lokalbestimmung ergänzt. 40 von den 71 Beginnformeln[6]
gehören zu der ersten erwähnten Gruppe, die übrigen 31 erscheinen in den
folgenden Formen:
Hier ruhet in Jesu Namen / Hier ruhet
in Namen Jesu (20mal)
In
Jesu Namen hier ruhet (5mal)
Hier
ruhet in Frieden (3mal)
Hier
ruht in Gott (einmal)
In Jesu Namen hier ruht in Gott (einmal)
Hier
ruht in Gottes Garten (einmal).
Ein Beweis für die Phrasenartigkeit der Beginnformel
ist die oft fehlende grammatische Kongruenz: in mehreren Fällen (22mal) bezieht
sich die Singular dritte Person des Verbs "ruhen" auf zwei oder
mehrere Verstorbene.
Der
identifizierende Teil enthält, wie bereits erwähnt, individuelle Informationen
über den Verstorbenen, die seine Identifizierung ermöglichen: den Namen, das
Geburts- und das Sterbedatum. Das Geburtsdatum kann durch das Sterbensalter
ersetzt werden, das Sterbedatum erscheint aber in allen Fällen.[7]
In drei Inschriften treten ausnahmsweise alle drei Daten auf. In der Inschrift
182., wo die Jahreszahl der Geburt und des Todes dieselbe ist und neben der
Angabe des Todesalters (3 Wohe)
zweimal erscheint, hebt diese redundante Wiederholung die Tragik des
Kindertodes noch stärker hervor. In der Inschrift 60. drückt aber die
gleichzeitige Erscheinung der drei Daten, in der Reihenfolge ist geboren … - hat gelebet … - gestorben
…, die Vollständigkeit und Abgerundetheit des menschlichen Lebens aus.
Interessant ist der Rechnungsfehler der Inschrift 219., wobei der Verstorbene
1806 geboren, 1863 gestorben und 58(!) Jahre gelebt hat.
Der
identifizierende Teil kann wiederholt werden, d.h. die Namen und Lebensdaten
von mehreren Personen enthalten. In diesem Fall wird meistens auch der
Verwandtschaftsgrad aufgezeichnet, z.B. "und seine Gattin", "und
seine Geschwister" usw. Außer den bisher erwähnten Daten können noch
weitere, zusätzliche Angaben im identifizierenden Teil auftreten, die sich entweder
auf die Person des Verstorbenen oder auf den Tod beziehen können. Beispiele für
die, den Verstorbenen betreffenden zusätzlichen Angaben: "…der
ehrengeachtete Paul Steixner…"
(Inschrift 132.), "…ein Jüngling Andreas Safner…"
(Inschrift 210.), "… der unvergesliche Jüngling Michael Rosta…" (Inschrift 121.).
Die den Tod betreffenden Angaben treten auf, wenn der Verstorbene unter nicht
gewöhnlichen Umständen oder nicht mit natürlichem Tod gestorben ist, z.B.
"…der … fürs Vaterland gestorbene Stefan Torma…" (Inschrift 77.), "…gestorben mit ihre Grosfater in einen minute…" (Inschrift
97.), "Beide sind … bei Grosse feier
erslicht." (Inschrift 168.).
Die
Schlußformel ist wie auch die Beginnformel fakultativ, erscheint aber in
mehreren Variationsformen als die Beginnformel. Die verbreiteteste Form ist Friede seine / ihre[r] Asche, sie tritt
in 36 Fällen von den 62 Schlußfomeln[8]
auf. Ebenfalls häufig, 14mal gibt es keine Schlußformel, wobei unbedingt zu
bemerken ist, daß auch die nicht mehr zu sehenen Schlußformeln hier eingeordnet
sind. Ruhe(t) in Frieden kommt 4mal,
die Formeln Gott gebe ihr / ihnen die
ewige Ruhe, Ruhe sanft und Gott segne ihre[r] Seele je zweimal vor.
Je einen einzigen Belegplatz haben die Formeln Geliebt und nie vergessen! bzw. Auf
Wiedersehen!. Bemerkenswert ist, daß die Mehrheit der Schlußformeln an den
Verstorbenen als an eine dritte Person gerichtet ist (Friede seine/ihre[r] Asche,
Gott gebe ihr/ihnen die ewige Ruhe), einige jedoch direkt den
Verstorbenen ansprechen (Ruhe sanft/in Frieden), eine sogar Abschied von ihm nimmt (Auf Wiedersehen!). (Die Formen Ruhe sanft / Ruhe in Frieden können
eigentlich auch Konjunktivformen sein, ähnlich wie z.B. Gott segne ihre Seele / Gott gebe ihm die ewige Ruhe. In diesem
Fall wird also der Verstorbene nicht angesprochen, das Perspektiv der dritten
Person bleibt in der ganzen Inschrift unverändert.) Der Gebrauch der Pronomina seine[r],
ihre[r], ihr, ihn hängen in mehreren Fällen von dem Geschlecht der
Verstorbenen nicht ab; diese Inkongruenz zeugt auch von der Phrasenartigkeit
dieser Formeln.
Zu
den sonstigen in den Grabinschriften erscheinenden Elementen gehören kurze,
religiös motivierte Sprüchleine, die Grabgedichte und die Angabe der
Person(en), die das Grabmal aufstellen ließ(en). Diese erscheinen häufig dann,
wenn es keine Schlußformel gibt, es braucht aber nicht unbedingt so zu sein: es
gibt Inschriften, bei denen sowohl die Schlußformel als auch einige dieser
sonstigen Elemente erscheinen, und auch solche, bei denen es weder die
Schlußformel noch die sonstigen Elemente gibt. Sogar zwei Beispiele für einen
kurzen Spruch ist in der Inschrift 139. zu finden, wo ganz oben bogenförmig der
Satz Jesus ist unsere Auferstehung
steht, und unter dem identifizierenden Teil
sich statt einer Schlußformel der folgende Satz befindet: Die gerecht sind leben ewig, und / ihren Lohn finden sie bei Gott. In 15
Grabinschriften ist auch aufgezeichnet, wer das Grabmal dem Andenken des
Verstorbenen gewidmet hat. Meistens wird das mit dem Ausdruck errichtet von … ausgedrückt (9mal),
zweimal mit gewidmet von …, dreimal
erscheint das Verb "stellen" (in den Formen auf gestelt von …, hingestellt
von …, hatt hingestellt …). In
einem Falle erscheinen die Namen der Angehörigen, die den Grabstein aufstellen
ließen, als Unterschrift der Wendung Zur
Erinnerung am die lieben Eltern und Groseltern.
Ebenfalls
zu den sonstigen Elementen werden die Grabgedichte gezählt, die in diesem
Korpus ziemlich selten vorkommen und in einem weiteren Unterkapitel behandelt
werden.
Zusammenfassend
kann man über den Aufbau der Grabinschriften feststellen, daß die einzigen
Teile des aufgestellten Grundschemas zwar variieren können, sich aber
verallgemeinernd beschreiben lassen, da alle vorkommenden Elemente in dieses
Schema eingesetzt werden können.
Da
der Name der Kern des obligatorisch erscheinenden identifizierenden Teiles ist,
kann meines Erachtens davon nicht abgesehen werden, den Namenbestand der
Grabinschriften zu untersuchen. In diesem Kapitel wird der Vor- und
Familiennamenbestand sowie der Namengebrauch der Grabinschriften behandelt.
Die
Namengebung ist eine "aktive Äußerungsform des allgemeinen Geschmacks, des
geistigen Porträts einer Gemeinschaft" - stellt Josef Banner fest
(1981:261). Jedenfalls haben die Namen als solche Äußerungsformen eine
bedeutende Rolle im Leben einer Gemeinschaft.
Auf
den Grabsteinen gibt es 46 verschiedene Familiennamen. Sechs von ihnen (Kocsis, Molnár, Rosta, Szegletes, Torma,
Vágó) sind offensichtlich ungarische Namen, sie kommen aber nur je einmal (Rosta zweimal) vor. Die anderen sind
größtenteils deutsche Namen, einige jedoch (z.B. Gögicz, Merse) von ungewisser Abstammung. Die drei häufigsten Namen
sind Safner (11mal), Leitold (8mal) und Steierlein (7mal), mehrmals kommen noch die Namen Kraneis, Haas, Taschner, Heiter, Holczer,
Klung und Czeiner vor. 28, d.h.
60 % der Familiennamen hat nur einen einzigen Belegplatz, diese sind die
Folgenden:
Amrein, Ertli, Fischer, Gögicz, Grafin, Gróf, Hock, Holzhanzer, Inhoff, Jáger, Karrehrin,
Klug, Knoll, Kocsis, Mehler, Merk,
Molnár, Sauer, Scheller, Schlegel,
Setl, Stahl, Szegletes,Ther, Torma, Vágó,
Viszt, Weinhard.
Die 14 fett geschriebenen Namen sind Mädchennamen
von verheirateten Frauen, es ist also nicht auszuschließen, daß sie durch ihre
Heirat aus anderen Orten nach Pula gelangt sind. Der andere Grund des
vereinzelten Vorkommens vieler Namen kann sein, daß viele Grabmäler, vor allem
die Grabkreuze, nicht erhalten geblieben sind.
Oft
weist ein Familienname verschiedene Schreibvariationen auf: ein typisches
Beispiel dafür ist der Name Leitold,
der einmal in der Form Leichtold
(Inschrift 8.), einmal als Leitalt
(Inschrift 157.), in allen anderen Fällen als Leitold erscheint. Der Wechsel a / o verursacht auch weitere Variationsformen
der Namen: Graf (154.) und Gróf (38.) werden daher auch als Schreibvariationen angesehen,
ebenso wie Kroneisz (102.) und Kraneis (117.). In diesem letzten Fall
spielt auch der Einfluß der ungarischen Orthographie mit, wie auch bei den
Namen
Taschner (97.) / Tasner (49.)
Safner
(1.) / Szafner (219.)
Holzer
(106.) / Holczer (105.)
Eine andere Art der Namenvariation beruht auf die
Auslassung einer Silbe des Namen: Steierlein
(122.) / Steilein (242.).
Der
Bestand der Taufnamen[9]
weist einen etwas geringeren Formenreichtum auf als der der Familiennamen. Von
den 18 unterschiedlichen Männernamen sind Josef
(15mal), Johann (12mal) und Stefan (9mal) die häufigsten. Auch
mehrmals kommen die Namen Andreas, Anton,
Franz, Michael und Adam vor. Acht
Namen erscheinen nur einmal auf den Grabsteinen. Die auf den unterschiedlichen
Schreibweisen beruhende Variation ist auch für die männlichen Taufnamen
charakteristisch: z.B.
Johan (8.) / Johann
(77.)
Franz (63.) / Francz
(62.)
Stefan (77.) / Stepfan
(196.) / Stefán (25.).
Bei
der Inventarisierung der Frauennamen tritt die Schwierigkeit auf, daß der
Taufname der verheirateten Frauen in den Grabinschriften oft nicht erscheint.
So kommen 12 verschiedene Frauennamen vor. Die häufigsten Namen sind Maria, Theresia (beide 8mal), Katharina (7mal) und Anna (6mal). Auch mehrmals erscheinende
Taufnamen sind Barbara, Elisabeth
(beide 4mal) und Emilie (3mal);
vereinzelt kommen die Namen Apolonie,
Eva, Karolina, Scholastika und Vera vor. Die Variationen der einzelnem
Namen kommen ebenfalls aus dem Einfluß der ungarischen Orthographie sowie aus
der inkonsequenten Bezeichnung der Laute:
Katharine (8.) / Katharina
(168.) / Katarina (111.)
Theresia (102.) / Teresia
(157.) / Terezia (46.).
Die
sehr verbreitete Sitte der katholischen Gemeinschaften, daß den Kindern vor
allem die Namen von Heiligen gegeben werden, erscheint hier offensichtlich,
sowohl was die männlichen als auch was die weiblichen Taufnamen betrifft. Die
Zahl der biblischen Namen ist jedoch nicht herausragend hoch. Ebenfalls gibt es
Spuren der Namenvererbung, d.h. daß die Kinder oft den Namen ihren Eltern oder
Großeltern bekommen (z.B.:Inschrift 117.: Anton
Kraneis und sein Sohn Anton).
Da
der Taufnamenbestand der Gabinschriften, wie bereits erwähnt, durch die
Gebrauchsweise der Personennamen beeinflußt wird, lohnt es sich, den
Namengebrauch der Grabinschriften zu untersuchen. Allgemein gesehen fällt auf,
daß die Taufnamen in keinen Kombinationen miteinander auftreten: die
Doppelnamen oder die dreifachen Namen scheinen bei den Pulaer Deutschen nicht
verbreitet zu sein. In einem einzigen Falle (Inschrift 86.) besteht ein
Taufname (scheinbar) aus zwei Namen, die Namenkombination Anna Maria ist aber wahrscheinlich auf dem Wege, zu einem Namen zu
verschmelzen.
Bemerkenswert
ist der Namengebrauch der verheirateten Frauen. "Die Familiennamen der
Frauen - gleichgültig ob sie vom Vater oder vom Ehemann stammen - bekommen in
den Zeitabschnitten, in den[en] die Matrikelführung in lateinischer Sprache
erfolgt, bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts das Suffix -in zur Bildung des Femininums." - stellt Josef Banner fest
(1981: 295). Ungefähr in der Hälfte der Fälle erscheint diese Form des
Namengebrauchs, wobei auch ein Unterschied gemacht werden muß zwischen den
Fällen, wo das Suffix -in nur dem
Familiennamen (z.B. Inschrift 41.: Barbara
Karrehrin) oder dem vollständigen Namen des Ehemannes zukommt (z.B.
Inschrift 8.: Johan Haasin). In einem
Falle bekommt auch ein auffallend ungarischer Name (Inschrift 2.: Josef
Kocsisin) dieses Suffix. Die Erklärung für diese Art des Namengebrauchs
kann einerseits in der mundartlichen Bewahrung der archaischen Formen liegen,
andererseits soll auch der Einfluß des ungarischen Namengebrauchs der
verheirateten Frauen mitgewirkt haben: das Suffix -in kann als Entsprechung des ungarischen Suffixes -né aufgefaßt werden. Diese letzte
Behauptung wird durch die Tatsache unterstützt, daß – nach einer meiner
Gewährspersonen – die älteren Leute, wenn sie unter einander im Dialekt
sprechen, auch heute in dieser Weise auf einander hinweisen. Es kommt in den
Grabinschriften jedoch auch vor, daß die verheiratete Frau, den heutigen
deutschen Sitten gemäß, nur den Familiennamen des Mannes, ohne das Suffix -in aufnimmt, wobei meistens auch ihr
Mädchenname mit dem Attribut "geborene" aufgezeichnet wird (z.B.
Inschrift 157.: Teresia Leitalt geborene
Weinhard). Josef Banner nennt dies "gemeinsprachliche Variante des
Namengebrauchs" (1981:295), die "unter feierlichen, halbwegs
amtlichen Umständen (z.B. in Schriftform)" gebraucht wird. Eine zeitliche
oder Häufigkeitstendenz der unterschiedlichen Formen des Namengebrauchs ist
wegen der ziemlich kleinen Anzahl der Inschriften nicht festzustellen.
Ebenfalls
erwähnenswert ist die Reihenfolge der beiden Glieder der Namen: in den
deutschsprachigen Inschriften geht der Taufname dem Familiennamen fast immer
voraus, auch bei den ungarischen Namen (z.B. Inschrift 139.: Anna Szegletes). In einem Fall ist die
Reihenfolge bei einem der da stehenden drei Personennamen doch umgekehrt (Inschrift
60.: …unt Muter geborene Vágó Erzsébet).
Im
vorliegenden Kapitel wurden statistisch geprägte Feststellungen über den
Namenbestand und den Namengebrauch der Grabinschriften gemacht. Für genaue
statistische Folgerungen sind aber die von den Grabsteinen abgelesenen Namen,
vor allem aus den oben erwähnten Eigenheiten des Namengebrauchs, nicht zu
benutzen. Die Angaben bilden aber meines Erachtens eine ausreichende Grundlage
zur verallgemeinernden Behauptung, daß es hier um ein geschlossenes und konservatives
Namenmaterial geht: als Folge der Namenvererbung und des Festhaltens an die
Traditionen trugen viele von den Einwohnern denselben Familien- und Vornamen.
Die Grabinschrift stellt
meistens nicht bloß eine Erinnerung an den Verstorbenen mit der Angabe seiner
wichtigsten Lebensdaten dar, sondern
liefert oft auch Informationen über persönliche Lebensgeschichten sowie
über die Dorfgeschichte. Im Folgenden werden die von den Grabsteinen ablesbaren
Informationen solcher Art behandelt.
Die Grabinschriften zeugen
unter anderem davon, welche Sprache gebraucht wurde in der Zeit, als die
Inschrift und der Grabstein angefertigt wurden. Von den insgesamt 243
Grabinschriften werden in dieser Arbeit, wie bereits erwähnt, nur die 61
deutschsprachigen Inschriften behandelt, die also ungefähr ein Viertel der
Gesamtzahl der Inschriften bedeuten. Den ungarisch beschrifteten Rest bilden
vor allem neuere Grabsteine. Die allgemeine Tendenz ist, daß im Laufe der Zeit
immer wenigere Grabinschriften auf deutsch verfaßt wurden. Exemplarisch für den
Sprachwechsel, der sich in den 30-40er Jahren abspielte, ist die Inschrift 132.
(Abb. 14.), bei der innerhalb einer Schriftplatte beide Sprachen erscheinen:
Hier ruht in Gott
der ehrengeachtete
PAUL STEIXNER
geb. am 25. april. 1864.
gest. am 29. merz. 1928.
és neje
HÁÁZ VERA
szül.
1870. – 1944.
Ruhe in frieden!
Der Grabstein wurde wahrscheinlich
nach dem Tode des Mannes (1928) aufgestellt, der Name und die Lebensdaten
seiner Frau wurden erst nach ihrem Tode (1944) in den Stein eingemeißelt. Einen
ähnlichen Fall stellt die Inschrift 193. dar: der frühere von den zwei
Grabsteinen desselben Grabmals ist von 1936 datiert und deutsch beschriftet,
der andere, der mindestens zehn Jahre später aufgestellt wurde, schon auf
ungarisch verfaßt.
Hier möchte ich auf das Problem der Datierung der
Grabinschriften hinweisen. Es ist nie mit Sicherheit festzustellen, wann eine
Grabinschrift angefertigt wurde: gleich nach dem Tode oder eventuell Jahre
später, wenn z.B. das zuerst aufgestellte Grabkreuz erst später durch einen
beschrifteten Grabstein ersetzt wurde. Der Einfachheit halber betrachte ich das
Sterbejahr als Datum der Anfertigung der Grabinschrift. Ein weiteres Problem
der Datierung bedeutet, wenn mehreren Personen eine Inschrift gewidmet wird,
die nicht in demselben Jahr gestorben sind. Es gibt nämlich Beispiele dafür,
daß der Grabstein erst nach dem Tode beider Verstorbenen angefertigt wurde. In
anderen Fällen wurde der Grabstein schon beim ersten Todesfall aufgestellt, und
die Daten der später Verstorbenen wurden erst nachträglich eingemeißelt. Für
diesen letzten Fall ist ein Beispiel (neben der bereits erwähnten Inschrift
132.) auch die Inschrift 155., an der die eine Verstorbene die Gattin ist, die
ihrem Mann den Grabstein aufstellen ließ; die abweichende Buchstabenform zeugt
auch davon, daß die beiden Teile der Inschrift nicht zur gleichen Zeit
angefertigt wurden.
Wegen dieser Datierungsproblemen ist nicht eindeutig
festzustellen, welche die letzte deutschsprachige Inschrift ist. Nehmen wir das
letzte Todesdatum als Entstehungsdatum der Inschrift an, so ist die Inschrift
139. die jüngste deutschsprachige Grabinschrift: aus dem Jahre 1972. Dies ist
aber offensichtlich ein Ausnahmefall, ungefähr nach den vierziger Jahren wurden
eigentlich keine deutschsprachige Inschriften mehr angefertigt.
Von den
Grabinschriften sind unter anderem Informationen über die Lebenslänge der
Verstorbenen abzulesen. Aus den Angaben der Inschriften ist das Todesalter von
80 Verstorbenen festzustellen. Aufgrund dieser Angaben beträgt das
Durchschnittsalter 50 Jahre, wobei auch ein Unterschied zwischen dem Durchschnittsalter
der Frauen (53) und dem der Männer (47) gemacht werden kann. Die Zahl der
Todesfälle der Kinder und der Alten ist etwas herausragend, sonst scheint die
Verteilung ausgeglichen zu sein. Der älteste Mann ist mit 87, die älteste Frau
mit 98 Jahren gestorben.
Untersucht man den Inhalt der Grabinschriften näher, kann
man Vieles über individuelle Lebensschicksale erfahren. Die schon erwähnte
Inschrift 182. drückt die Tragik des Säuglingstodes mit einem einfachen
sprachlichen Mittel, mit der redundant erscheinenden Wiederholung der
Jahreszahl aus. Es ist immer tragisch, wenn Eltern ihre Kinder bestatten
müssen, wie auch im Falle der Inschriften 111. und 193., wo jeweils vier Kinder
von den Eltern betrauert werden. Ein gleichermaßen großer Verlust für die Familie
kann sein, wenn mehrere Familienmitglieder zur gleichen Zeit sterben. Darüber
zeugt auch die Inschrift 38., die einem Mann und seinen drei Kindern gewidmet
ist, von denen die Tochter erst zwei Tage nach dem Tode ihres Vaters gestorben
ist; sowie die Inschrift 97., nach der ein Großvater und seine Enkelin "in einen minute" gestorben sind.
Eine andere Art Tragik steckt hinter der Inschrift 155., bei der die Gattin
beinahe ein halbes Jahrhundert allein leben mußte: sie ist 49 Jahre später
gestorben ist als sein Mann. (Einen Gegenbeispiel, d.h. daß der Mann nach dem
Tode seiner Frau wieder geheiratet hat, findet man im beinahe „komisch”
wirkenden, aber jedenfalls sehr ungewöhnlichen Text der Inschrift 218.: "mit samt seinen Gemalinen" ruht der
Verstorbene dort.)
Diese persönlichen Schicksale sind oft mit
geschichtlichen Ereignissen verbunden; in solchen Fällen wird meistens auf
diese Ereignisse hingewiesen. Meine Gewährsleute haben im Laufe unserer
Gespräche über einen großen Feuerbrand im Jahre 1899 erzählt, in dem viele
Dorfbewohner gestorben sind. In zwei Grabinschriften wird diese Katastrophe als
die Ursache des Todes erwähnt: in der Inschrift 104., wo vermutlich ein
Großvater und sein Enkel, und in der Inschrift 168., wo ein Ehepaar im Feuer
ums Leben gekommen sind. Wie bereits erwähnt, sind viele Menschen im ersten
Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert; aus der
Inschrift 49. stellt sich heraus, daß den Grabstein die in Amerika lebenden
Kinder der Verstorbenen aufstellen ließen. Die Inschrift 77. wurde zwei jungen
Männern gewidmet, die beide im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Inschriften für
Opfer des Zweiten Weltkrieges befinden sich im Korpus nicht, da die Sprache der
Beschriftung der Grabsteine zu dieser Zeit vorwiegend schon ungarisch war.
Bemerkenswert is jedoch, daß im Hof der Kirche der Grabstein eines deutschen
Soldaten zu finden ist (siehe Abb. 15.), seine Inschrift lautet:
Werner Stoffer
25.09.1919
25.03.1945
Die Grabinschriften sind also, obwohl sie für den
Einzelnen angefertigt wurden, in gewisser Hinsicht zugleich mit der
Gemeinschaft verbunden: es sind von ihnen Angaben über einige, für die ganze
Dorfgemeinschaft charakteristische und bedeutende Ereignisse und Tatsachen
abzulesen.
Da in der Fachliteratur (z.B. bei Sax:2000) zwischen
Grabinschrift und Grabgedicht oft kein Unterschied gemacht wird, möchte ich
eine klare Grenze zwischen beiden Begriffen ziehen. Eine Grabinschrift ist, wie
bereits erwähnt, die Gesamtheit aller auf dem Grabstein erscheinenden Graphemen
mit Ausnahme der Signatur des Steinmetzen; ein Grabgedicht ist nur ein
bestimmter Teil der Inschrift, der nach seiner Form und seinem Inhalt ein
Gedicht ist und in meiner Terminologie zu den sonstigen Elementen der Grabinschrift
gehört. In diesem Kapitel möchte ich die Grabgedichte behandeln.
Im Korpus gibt es ziemlich wenige Grabgedichte: insgesamt
in vier Grabinschriften (60., 106., 107., 171) kommen Grabgedichte vor, unter
denen drei (in den Inschriften 60., 107., 170.) die Variationen desselben
Gedichts sind (siehe Abb. 16., 17.). Mit dem Grabgedichtbestand anderer
Friedhöfe verglichen ist diese Anzahl sehr gering. Auf den alten, nicht mehr
lesbaren Grabsteinen habe ich auch keine Spuren von Grabgedichten gefunden,
schon wegen dem Platzmangel wäre auch unmöglich gewesen, Gedichte einzumeißeln,
die meisten der älteren Grabsteine sind nämlich von kleiner, schmaler Format.
Auf den ungarisch beschrifteten Grabsteinen gibt es ebenfalls keine
Grabgedichte. Das ist vielleicht mit finanziellen Gründen zu erklären, dem
Steinmetzten mußte man nämlich nach der Buchstabenzahl bezahlen. Andererseits
ist die Einfachheit und Ungeziertheit im allgemeinen charakteristisch für die
Grabsteine im Pulaer Friedhof, sowohl was die Grabsteinformen als auch was die
Verzierungselemente betrifft; so ist es auch nicht außergewöhnlich, daß es sehr
oft kein Grabgedicht auf dem Grabstein zu finden ist. Wahrscheinlich ist der
Mangel an Grabgedichten damit zu erklären, daß in Pula keine Tradition davon
entstanden ist.
Die Grabgedichte der Inschriften 60., 107. und 171. gehen
vermutlich auf eine schriftliche Vorlage zurück, die Unterschiede zwischen
ihnen stammen vor allem aus dem Bereich der Orthographie. Die größte Abweichung
kommt aus der Veränderung des Gedichts bezüglich der Zahl der Verstorbenen:
Unseres Lebens … bei uns … usw.
(60., 171)
meines
Lebenz …bei mier … usw. (107.)
Ein weiterer Unterschied
beruht auf die Auslassung eines Wortes:
Scenke uns die evige Himels Kron (60.)
Schenke uns die Ewige
Himels Kron (171.)
Schenke mier die
Himels Kron (107.)
Die Gliederung des Gedichts
in Zeilen, und deshalb auch die Zahl der Zeilen weicht in den drei Variationen
voneinander ab, weil die Zeilengliederung offensichtlich nur durch den zur
Verfügung stehenden Platz bestimmt wurde. Eine Rekonstruktion der
ursprünglichen Gliederung ist schwierig, da die Reime fehlen und die Zahl der
Silben in den einzelnen Reihen unterschiedlich ist. Eine mögliche
Rekonstruktion aufgrund der Prosodie lautet:
Der Tag meines Lebens hat
sich schon geneigt.
Herr,
bleib bei mir und nimm dich meiner an!
Führe mich
nach deinem Weg in das ew'ge Himmelszelt.
Ich
erbitte mir zum Lohn, schenke mir die Himmelskron!
Das steht dem Gedicht der
Inschrift 107. am nächsten. Aus der Metrik stellt sich heraus, daß das Wort ewig in der letzten Zeile wahrscheinlich
nachträglich und fehlerhaft eingesetzt wurde: in der vorigen Zeile stand ewig vor dem Wort Himmel, und durch ein Versehen kam es auch vor das Wort Himmel in der letzten Zeile:
Führe mich nach
deinem Weg Führe uns nach deinem Veg in
Ich erbitte mir zum
Lohn Uns Zum Lohn. Schenke uns die
Schenke mier die
Himels Kron.(107.) Ewige Himels Kron (171.)
Ich nehme an, daß das Grabgedicht der Inschrift 107. als Vorlage
für die anderen zwei Gedichte diente, und mit dem Gebrauch der Pluralformen der
Pronomina für die anderen zwei Inschriften aktualisiert wurde. Das kann auch
durch das vermutete Anfertigungsdatum der Grabsteine unterstützt werden:
Inschrift 107. stammt aus dem Jahre 1940, 171. aus 1941 und 60. aus 1944. Die
Interpunktion des Gedichtes ist auch
nicht einheitlich, bei der Inschrift 107. folgt sie den Zeilen, bei 171. ist
sie nicht folgerichtig, und im Gedicht der Inschrift 60. gibt es gar keine
Satzzeichen.
Aus den fehlenden Reimen und der Abweichung in der Metrik
der beiden ersten und der beiden letzten Zeilen kann darauf geschlossen werden,
daß dieses Gedicht eventuell aus mehreren Gedichten zusammengesetzt wurde oder
durch Auslassung einiger Zeilen bzw. durch Veränderung von Wörtern entstanden
ist. Dagegen spricht aber, daß es im Gedicht sowohl eine innere Kohäsion als
auch eine stilistische Einheitlichkeit vorhanden ist. Das Gedicht ist dem
Verstorbenen in den Mund gelegt: er spricht Jesus an. Der Stil ist sehr gehoben
(…hat sich geneiget, … nimm dich meiner
an …, erbitten) und zugleich poetisch (Himmelszelt,
Himmelskrone).
Im Gedicht der Inschrift 106. spricht ebenfalls die
Verstobene, aber nicht zu Jesus, sondern zu den Hinterbliebenen oder zum Leser
der Inschrift. Die Gliederung des Gedichts in Zeilen wurde auch hier durch den
Platz bestimmt. Die ursprüngliche Form der Strophe ist hier noch schwieriger
herzustellen als im vorigen Falle. Eine mögliche Gliederung wäre:
In meinem
sanften Todesschlafe
Habe ich mir Jesus
auserwählt.
Er ist
mein freister Wächter
Über meinem Grabeshügel.
Aufgrund des Mangels an
Reimen und der Unausgewogenheit der Metrik scheint es hier noch
wahrscheinlicher, daß das Gedicht aus mehreren Vorlagen oder mit Veränderungen
entstanden ist. Inhaltlich hängen die beiden Sätze jedoch zusammen.
In der Inschrift 139. befindet sich ein Satz, der auch
als Grabgedicht aufgefaßt werden kann:
Die gerecht sind leben ewig, und
Ihren Lohn
finden sie bei Gott.
Dieser Satz wurde bereits
erwähnt und als kurzer Spruch bezeichnet, eigentlich könnte er aber zu den
Grabgedichten gerechnet werden, da er nach seinem Inhalt, seiner Form und
seiner Position innerhalb der Inschrift den oben behandelten Gedichten ähnelt.
Um feststellen zu können, ob es hier um ein Grabgedicht geht, wäre auch eine
Definition des Begriffs "Gedicht" nötig, das ist aber keine Aufgabe
dieser Arbeit. Allerdings geht hier um einen religiös motivierten Spruch, der
eine allgemein gültige Behauptung enthält.
Zusammenfassend läßt sich behaupten, daß diese wenigen
Grabgedichte nicht an die Person des Verstorbenen gebunden sind und nicht von
seinem Alter, Familienzustand usw. abhängen, sondern allgemein verwendbare
Grabgedichte sind. Abgesehen vom Wechsel Singular - Plural in Abhängigkeit der
Zahl der Verstorbenen zeugen sie von keinem kreativen Gebrauch der Vorlagen.
In den Grabinschriften wurde die jeweilige deutsche
Schriftsprache oder mindestens eine höhere Sprachform angestrebt, der wirkliche
Sprachgebrauch der Inschriften weicht aber auf allen sprachlichen Ebenen davon
ab. In diesem Kapitel wird versucht, die Art und Weise und die möglichen Gründe
dieser Abweichungen zu beschreiben.
Die
Abweichungen sind im Bereich der Orthographie am auffallendsten, wobei zwei
wesentliche Tendenzen zu beobachten sind: der Einfluß der ungarischen
Orthographie und die Realisierung der mundartlichen Aussprache. Manche Phoneme
werden sehr oft mit Hilfe des ungarischen Graphemsystems wiedergegeben, z.B.
[v]: Geschvister (60.), Veg, evig (60., 171.); für das Phonem [f]
wird statt des Graphems ’v’oft ’f’ gebraucht: Grosfater (97.). (Im
Text des Trauergesangs Urlaub nehm ich…[10],
das von einer meiner Gewährspersonen abgeschrieben wurde, kann dieselbe
Eigenheit beobachtet werden: …Gott veis alein vo si vierd sein / Fileiht in den fegfeier…). Dies wird
allerdings nicht konsequent durchgeführt, z.B. in der Inschrift 77. wird Vaterland richtig geschrieben, im Text
des Grabgedichts in der Inschrift 171. kommt sowohl die Schreibweise evig als auch die Form ewig vor. Für die Kennzeichnung des
Phonems [s] werden in vielen Fällen die ungarischen Grapheme 'z' und 'sz'
verwendet, ebenfalls nicht konsequent: meines Lebenz (107.); Terezia
(111.), Szafner (219.), aber
auch Safner (1.), Josef (111.). Das Graphem 'ß' erscheint in den Inschriften gar
nicht, stattdessen wird 's' oder 'ss' geschrieben: unvergesliche (121.), Groseltern (139.), Grosse (168.). Für das Phonem
[∫] wird außer 'sch' auch 's', 'sh' und 'sc' gebraucht: Tasner
(49.), shon, scenke (60.). (Die Formen shon
und scenke können aber auch aus
Verschreibung entstanden sein, diese Schreibweisen kommen nämlich nur je einmal
vor.) Die Phoneme [ç] und [χ]
werden außer 'ch' in einigen Fällen als 'h' realisiert: sih (107.), Wohe (182.).
Die Kennzeichnung der vokalischen Länge erfolgt auch oft
unter dem Einluß der ungarischen Orthographie mit einem Akzent: Námen,
Stefán (60.), júli (196.). Im Wort Namen,
das in den Beginnformeln ziemlich häufig erscheint, wird die Länge des
Vokals [a:] auf drei Weisen gekennzeichnet: nahmen (11mal), Namen (6mal), námen
(einmal). Das lange [i:] hat auch mehrere Schreibformen: mier
(106.), ire (60.), mihr (60., 171.).
Für die Kennzeichnung der Länge und Kürze der Konsonanten
ist ebenso die Inkonsequenz charakteristisch, z.B.: erichtet (38.), aber
auch errichtet (77.). Da in der gesprochenen Sprache die
Doppelkonsonanz eigentlich nicht vorkommt, erscheint sie in den Inschriften
auch nicht: Her, nim, Himels (60., 107., 171.), Jäner (111.), Gatin (25.), auf gestelt
(122.). Es kommt aber manchmal auch zur hyperkorrekten Verdoppelung der
Konsonanten: hatt (104.), Schlaffe
(106.), sammt (92.). (Unter
Hyperkorrektur wird der „Vorgang und Ergebnis einer übertriebenen sprachlichen
Anpassung eines Sprechers an eine von ihm als prestigebesetzt angesehene und
deshalb nachgeahmte Sprachvarietät” [Bußmann 1993:316] verstanden.)
Das phonetische Prinzip erscheint auch in Wörtern, die
mit einer Auslautverhärtung ausgesprochen werden: z.B. unt (60.), gewitmedt (155.). In diesem letzten
Wort ist zugleich auch eine hyperkorrekte Bezeichnung des Phonems [t] zu
beobachten: gewitmedt.
Die Orthographie der Inschriften wird also vor allem durch
die mangelnden Kenntnisse des Hochdeutschen und die daraus resultierenden
Hyperkorrektionen sowie durch die Anwendung des phonetischen Prinzips bestimmt.
Die Großschreibung der Substantive wird meistens auch
nicht konsequent durchgeführt. Oft werden Substantive kleingeschrieben, andere
Wörter aber großgeschrieben. Der Grund dafür kann einerseits wieder in den
mangelnden Kenntnissen, andererseits auch in der sogenannten emphatischen
Großschreibung liegen. Unter emphatischen Großschreibung wird verstanden, daß
Wörter, die zwar grammatisch nicht großgeschrieben werden sollten, dennoch mit
großen Anfangsbuchstaben geschrieben werden, da sie wegen ihrer Bedeutung als
wichtig und nachdrücklich empfunden werden. Hier
Ruhet wird in der Mehrheit der Fälle emphatisch großgeschrieben, vereinzelt
kommen auch Schreibweisen wie sind Gestorben (25.), das Ewige Himels Zelt (107.), Friede Ihre Asche (158.) vor. Interessant
in dieser Hinsicht ist der Ausdruck Grosse
feier, der sich auf den großen Feuerbrand im Jahre 1899 bezieht, der für
die ganze Dorfgemeinschaft einen schweren Verlust bedeutete.
Weitere auffällige Abweichungen vom Hochdeutschen ergeben
sich aus Verschreibung. Die Formen nnd
(=und, 25.) und mihr (=wir, 60.,171.)
sind offensichtlich Schreibfehler, die wahrscheinlich aus Versehen einer
handschriftlichen Aufzeichnung stammen können; der Steinmetz kann also nach
einer handschriftlichen Vorlage gearbeitet haben. Weiterhin sind Schreibfehler
mit der zufälligen Einschiebung oder Auslassung eines Buchstaben entstanden: erbintten
(60.), tiefbetrüten (=tiefbetrübten, 121.), oder eben durch das Vertauschen
zweier Buchstaben: erslicht (=erlischt,
168.). Das Wort treuern (122.) steht
statt trauernden und ist
wahrscheinlich unter dem Einfluß des Wortes treu
entstanden.
Ein bestimmter Einfluß der ungarischen Verwendungsweise
kann auch im Bereich der Datumschreibung beobachtet werden. Neben dem Jahr der
Geburt und des Todes erscheint oft, vor allem beim Todesdatum, auch der Monat
und der Tag. In 9 Fällen von den 31 weicht ihre Reihenfolge von der normalen
Folge (Tag - Monat - Jahr) ab: 8mal steht die Jahreszahl zuerst und wird durch
den Tag und den Monat gefolgt (z.B. gest.
1940 den 28 Dezember – Inschrift 107.), in einem Falle (120.) ist die
Reihenfolge Monat - Tag - Jahr. Die im Ungarischen gewöhnliche Reihenfolge hat
sich also nicht durchgesetzt, doch gewissermaßen die Datumschreibung
beeinflußt. Die Reihenfolge kann auch innerhalb einer Grabinschrift variieren
(z.B.120.: gest. 1923 / 20. august
und gest. maj 27 / 1920). Wo ein
Punkt gesetzt wird, scheint auch völlig unregelmäßig; leider kann in vielen
Fällen wegen den Folgen der Verwitterung nicht mehr eindeutig festgestellt
werden, ob es da ursprünglich einen Punkt gab.
Die Verwendung des Punktes ist auch im Falle der
Abkürzungen ähnlich. Die Abkürzungen haben bei den Inschriften eine große
Rolle, da sie finanzielle Folgen hatten. Abgekürzt wurden vor allem die Namen
der Monate und die Wörter geboren bzw.
gestorben, die sehr oft vorkommende
Bestandteile der Inschriften sind und deren Abkürzungen so eindeutig sind, daß
ihre Enträtselung keine Schwierigkeit bedeutet. Geboren wird meistens als geb.,
gestorben als gest. abgekürzt,
davon weicht je ein Fall ab: gebr. (106.)
bzw. gst. (38.). Sowohl hier als auch
bei den Abkürzungen der Monaten erscheint der Punkt inkonsequent.
Die Worttrennung setzt auch die Verwendung von
Satzzeichen voraus. Wie bereits im Falle der Grabgedichten erwähnt wurde,
erfolgt die Gliederung der Inschrift in Zeilen aufgrund des Platzes auf dem
Stein. Dabei werden Wörter nur selten getrennt, der Steinmetz war
offensichtlich bestrebt, die Buchstaben so zu gestalten, daß es zu keinen
Trennungen kommen soll. In einem Falle findet die Worttrennung richtig, mit dem
Gebrauch eines Trennungszeichens statt: Kar-
/ paten (77.). In den anderen Fällen
erfolgt die Trennung ohne Trennungszeichen. In der Inschrift 62. wird das Wort Lebens Jahre getrennt, eigentlich kann
das aber als zwei Wörter angesehen werden, darauf weist auch die Großschreibung
von Jahre hin. Sicherlich ein Wort
wird aber in der Inschrift 219. getrennt: gestor
/ ben; leider ist in dieser Inschrift
die vermutliche Trennung des Wortes Garten
nicht mehr zu lesen. In einem Falle wird sogar ein Name getrennt: Leitold / in (169.).
Die Verwendung der Satzzeichen weist also im allgemeinen
einen Mangel auf, vor allem die Punkte erscheinen sehr inkonsequent. Die
Regelmäßigkeiten des Gebrauchs der Satzzeichen können auch wegen der
Abschleifung an vielen Grabsteinen nicht festgestellt werden.
Hier soll ein kurzer Exkurs über die Graphematik der
Inschriften gemacht werden. In den meisten ungarndeutschen Friedhöfen ist eine
bedeutende Anzahl der Grabinschriften in Fraktur gestaltet. In meiner Sammlung
kommt aber nur eine Inschrift mit Frakturschrift vor, die Inschrift 219. (siehe
Abb. 18., 19.), die eine der zwei ältesten erhalten gebliebenen Inschriften
ist. Alle anderen Inschriften sind in Antiquaschrift verfaßt. Unter ihnen sind
einige, die ausschließlich in Blockschrift geschrieben sind, bei der Mehrheit der
Fälle werden nur die Namen in Blockschrift, alles andere in Normalschrift
gestaltet und in einer geringen Anzahl kommen Inschriften vor, in denen nichts
in Blockschrift geschrieben ist.
Auf dem Gebiet der Morphologie gibt es auch viele
Abweichungen vom Hochdeutschen, die in erster Linie auf den Gebrauch der
Mundart zurückzuführen sind. Die auffallendste Erscheinung im Bereich der
Deklination ist der sogenannte Akkudativ. "In der Mundart wird zwischen
Akkusativ und Dativ nicht unterschieden, es gibt den sg. Akkudativ. Das
bedeutet soviel, daß Akkusativ und Dativ zusammenfallen zugunsten des
Akkusativs. So wurde die Endung auf -n nicht oder nicht richtig verwendet
…" – stellt Ibolya Sax (2000:109) fest. In meiner Sammlung kommen aber
neben den Akkudativ-formen wie Friede
seine Asche (1.), erichtet von ihre
betrübte Eltern (212.) usw. auch richtig deklinierte Fälle sowie auch
hyperkorrekte Formen (Friede ihrern Asche, 89. und Gott segne ihrer Seele, 154.) vor.
Die morphologischen Abweichungen vom Hochdeutschen können
auch aus der Unsicherheit des Genus der Substantive stammen, die dann Folgen
für die Deklination haben. Ein typisches Beispiel ist die Wortform Jahre, die in einigen Fällen als
Singularform und Femininum empfunden und dementsprechend dekliniert wird, z.B. in seiner
66. Lebensjahre (89.).
Im Bereich der Konjugation ist am auffälligsten, daß
manche Verbformen in dritter Person Singular mit einem prothetischen 'e'
verlängert werden. Die Beginnformel Hier
ruhet erscheint nur in dieser Form, der Ausdruck hat gelebet (60.) wohl aber als hat
gelebt (92.). Da in der einen ältesten Inschrift (219.) auch die Form gelebt, während in vielen jüngeren
Inschriften gelebet erscheint, ist
auszuschließen, daß das prothetische 'e' in den älteren Verbformen vorkommt.
Vielmehr wird mit ihm eine archaisch und dichterisch wirkende Form erzielt. Das
ist auch der Fall bei der Verbform geneiget
im Grabgedicht der Inschriften 60., 107. und 171. Statt hat gelebt steht manchmal lebte
(25.), aber auch lebt (38.) und lebet (1.). Da sie mehrmals vorkommen,
sind sie vermutlich keine Verschreibungen. Wahrscheinlicher ist, daß es hier um
eine hyperkorrekte Verwendungsweise der Verbformen geht.
Bei der Untersuchung der sprachlichen Verknüpfung der
einzelnen Einheiten in der Inschrift soll vor allem die Miteinbeziehung der
Geburts- und Todesdaten in den Text der Inschrift erwähnt werden. Diese Daten
verknüpfen sich meistens nicht mit den anderen Teilen der Inschrift, sondern
sind als zusätzliche Angaben in die Satzstruktur hineingeworfen. In einem Fall,
in der Inschrift 77. wird das Geburtsdatum in den Satz eingebaut: Hier ruhet der den 2 Apr 1917 fürs Vaterland gestorbene
Stefan Torma. Ähnlich erfolgt die Darstellung des Sterbealters, z.B. Hier ruhet / Stefan Taschner / alt 61 Jahre
(97.). Einmal verknüpft sich die Angabe des Alters auch sprachlich in den Satz,
da sie mit einem Genitivattribut erfolgt: Hier
ruhet ein Jingling / Franz Steierlein / seines Alters 22 Jahre (63.).
Zu den syntaktischen Eigenschaften der Inschriften gehört
auch, daß es oft keine grammatische Kongruenz zwischen Subjekt und Prädikat
gibt, z.B. Hier ruhet Josef Haas (…) und
seine Geschvister (111.). Diese Inkongruenz im Falle der Beginnformel kommt
aber daraus, daß die Beginnformeln meiner Meinung nach feste Formeln sind. Von
den insgesamt 71 Beginnformeln beziehen sich 45 auf einen einzigen
Verstorbenen, bei ihnen ist die Verwendung der dritten Person Singular
grammatisch korrekt. Die übrigen 26 Beginnformel beziehen sich auf mehrere
Personen, und nur drei (d.h. 12%) von diesen 26 verwenden die Pluralform ruhen, in 23 Fällen (d.h. 88%) wird die
Singularform ruhet für mehrere
Verstorbene verwendet. Es kann vorgekommen sein, daß die Inschrift noch für
einen Verstorbenen angefertigt wurde und die Namen der anderen Verstorbenen
erst nachträglich eingemeißelt wurden, doch scheint die Zahl 88% zu groß zu
sein, um die Erscheinung damit erklären zu können. Meiner Meinung nach geht es
hier also um eine feste Formel, die für die Sprachteilhaber als eine Einheit
erscheint und nicht mehr ihren Bestandteilen nach analysiert wird. Andererseits
kann der ungarische Sprachgebrauch, in dem der Singularfall des Prädikats im
Falle von zwei, durch eine Konjunktion verbundenen Subjekten grammatisch
korrekt ist, auch mitgewirkt haben.
Im Falle der Schlußformeln wie Friede seiner / ihrer Asche, Gott segne ihre Seele kann die
grammatische Inkongruenz an dem geschlechttypischen Austausch der
Possessivpronomina untersucht werden. In den 38 Schlußformeln, die ein Pronomen
enthalten, wird 16mal sein-, 22mal ihr- verwendet. Sein- wird in drei Fällen für eine Frau, in acht Fällen für mehrere
Personen gebraucht. In einem Fall (2.) wird ihre
für einen männlichen Verstorbenen verwendet (wahrscheinlich geht es hier um
eine Verschreibung). Das Pronomen wird also in 12 Fällen von den 38, d.h. in
32%, in dieser Hinsicht inkorrekt gebraucht. Aus dieser Zahl stellt sich
heraus, daß die Schlußformeln vermutlich noch nicht so fest verankerte Formeln
sind als die Beginnformeln, die Möglichkeit der Aktualisierung bezüglich des
Verstorbenen ist im Falle der Schlußformeln größer.
Über den
Lexembestand der Inschriften kann festgestellt werden, daß bestimmte Wörter,
wie z.B. hier, ruhet, geboren, gestorben,
Jahre, Friede, Asche in einer großen Häufigkeit vorkommen, was sich aus der
starken thematischen Beschränktheit der Inschriften ergibt. Auffallend
spezifische Wörter, Hapaxlegomena kommen in meiner Sammlung nicht vor. Es
erscheinen einige mundartlich gefärbte Wortformen wie z.B. Jäner (63.), Feber (86.).
Interessant ist die Lexemkombination mit
samt (218.: Hier ruhet Martin Leitold
… mit samt seiner Gemalinen …), wobei zwei Wörter gleicher Bedeutung
nebeneinander stehen. Bei einigen Wortverbindungen ist wegen dem kleinen
Abstand zwischen den Wörtern nicht eindeutig festzustellen, ob es um
zusammengesetzte Wörter oder Wortverbindungen geht. Das ist der Fall in der
schon erwähnten Inschrift 62.: Lebens
Jahre, sowie auch in den Ausdrücken Himels
Zelt und Himels Krone in den
Grabgedichten der Inschriften 60.,107. und 171. Wahrscheinlich wurde in diesen
Fällen das Zusatz-s zwischen beiden Gliedern des zusammengesetzten Wortes als
eine Genitivendung empfunden und das Wort durch das Sprachgefühl so
zerteilt.
Zusammenfassend
läßt sich über den Sprachgebrauch der Inschriften behaupten, daß es auf allen
Ebenen der Sprache Abweichungen vom Hochdeutschen zu beobachten sind. Diese
Abweichungen beruhen in erster Linie auf den mangelnden Kenntnissen der
hochdeutschen Schriftsprache. Die gesprochene Sprache und die mundartliche
Erscheinungen haben ebenfalls eine große Rolle: bei der Schriftgestaltung hat
sich meistens das phonetische Prinzip durchgesetzt. Daneben ist der Einfluß des
Ungarischen vor allem in der Orthographie, aber auch in anderen Bereichen des
Sprachgebrauchs bedeutend.
Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, durch die
Untersuchung der Sitten und Bräuche um den Tod sowie der Grabinschriften ein
komplexes Bild über die Friedhofskultur des ungarndeutschen Dorfes Pula zu
geben. In Kenntnis der Ergebnisse dieser Untersuchungen kann die folgende
Charakteristik über die Pulaer Friedhofskultur vorgelegt werden:
·
In
der behandelten Zeitspanne waren viele archaische Züge im Bereich der Sitten
und Bräuche um den Tod und um das Begräbnis bewahrt. Die beschriebenen Bräuche
sind in vielen Hinsichten den Bräuchen anderer ungarndeutschen Gemeinden (siehe
Sax:2000, Schreiner:1999) ähnlich.
·
Das
Gesamtbild des Pulaer Friedhofs ähnelt dem der älteren ungarischen katholischen
Gemeindefriedhöfe. Der Friedhof gehört zum Typ mit einer einfachen Ordnung der
Gräber. Für die Grabsteine ist ein kleinerer Formenreichtum charakteristisch
als für die in den oben erwähnten Arbeiten beschriebenen Friedhöfe, sowohl was
die Grabsteinformen als auch was die verwendeten Verzierungselemente betrifft.
Es kommt jedoch eine spezifische Grabsteinform, der sogenannte Doppelgrabstein
vor.
·
Die
Grabinschriften haben eine bestimmte Struktur, die sich aufgrund des
allgemeinen Schemas „Beginnformel + identifizierender Teil + Schlußformel +
sonstige Elemente” beschreiben läßt.
·
Von
den Grabinschriften sind viele Informationen über persönliche Lebensschicksale
sowie über bedeutende Ereignisse der Dorfgemeinschaft abzulesen. Aus der
Untersuchung des Namenbestands der Inschriften stellt sich heraus, daß das
Namenmaterial des Pulaer Friedhofs konservativ und geschlossen ist. In einer
relativ großen Anzahl kommt der Namengebrauchstyp „Vorname des Mannes +
Familienname + -in” vor, der vermutlich aus der Bewahrung der archaischen
Formen sowie aus dem Enfluß des ungarischen Namengebrauchs resultiert.
·
Im
Pulaer Friedhof kommen auffallend wenige Grabgedichte vor. Die Ursache dafür
kann sein, daß die Einfachheit und Ungeziertheit im allgemeinen
charakteristisch für die Grabsteine sind.
·
Die
61 deutschsprachige Inschriften bilden als linguistisches Korpus keine
ausreichende Grundlage zu einer gründlichen sprachlichen Analyse, doch kann aus
ihnen festgestellt werden, daß ihr Sprachgebrauch auf allen Ebenen der Sprache
von der hochdeutschen Schriftsprache abweicht. Diese Abweichungen sind in
erster Linie auf den Einfluß des Ungarischen, sowie auf den Gebrauch der
Mundart zurückzuführen.
Die wichtigste Zielsetzung meiner Arbeit war also die
Dokumentierung der geistigen und sachlichen Denkmäler in Verbindung mit dem Tod
und dem Begräbnis. Dies halte ich für besonders wichtig, da die Spuren der
früheren Todeskultur leider nicht mehr lange für die Forschung vorliegen
werden. Die alten Sitten und Bräuche sind schon verschwunden, weil die Leute
heutzutage nicht mehr zu Hause sterben, die Bräuche leben nur noch in der
Erinnerung der alten Leute; weiterhin hat sich die Friedhofskultur in den
letzten Jahrzehnten völlig verändert: die Grabsteine und die Grabinschriften
wurden uniformisiert und einfacher, die Inschriften enthalten nur noch den
Namen und die Lebensdaten des Verstorbenen.
Daneben konnte
ich Tatsachen dokumentieren, die den Pulaer Friedhof eigenartig machen, wie
z.B. der Doppelgrabstein oder eben der Namengebrauch des Typs Josef Kocsisin, der zwar auch in anderen
Friedhöfen vorkommt, aber, soviel ich weiß, nicht in so großer Anzahl.
Gerade das macht die Untersuchung der Friedhofskultur so
wichtig und interessant: alle kleinen Dörfer können ihre eigene Traditionen
haben, die von den Sitten und Bräuchen anderer Siedlungen abweichen. Deshalb
wäre es wichtig, ähnliche Forschungen in möglichst vielen ungarndeutschen
Ortschaften durchzuführen, damit die Ergebnisse eine Grundlage für einen
Vergleich bieten könnten.
Schließlich möchte ich mich auch auf diesem Wege bei
meinen Gewährsleuten für ihre Hilfe bedanken; in erster Linie bei Frau Teréz
Steierlein, geb. Piller, dafür, daß sie mir immer sehr gerne ausführlich über
die alten Sitten erzählt hat; bei István Leitold dafür, daß ich seine Schriften
über das Pulaer Alltagsleben und über die Beerdigungsbräuche verwenden konnte;
und bei Antal Reményi dafür, daß er die bisher über Pula entstandenen Arbeiten
mir zur Verfügung gestellt hat. Weiterhin möchte ich meinen Eltern dafür Dank
sagen, daß sie mir bei der Anfertigung der Arbeit mit allen möglichen Mitteln
geholfen haben.
Banner, Josef (1981): Deutsche Personennamen in
Elek. In: Beiträge zur Volkskunde der Ungarndeutschen. Hrsg. Karl Manherz. S.
261 - 299
Bußmann, Hadumod (1990):
Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart
Gesang- und Gebetbuch zum Gebrauch der
Deutsch-Ungarischen kath. Schulkinder und Gläubigen. Zusammengestellt von Alois
Lõvárdy Cist. Ordenpriester, Pfarrer. Vesprim 1928
Grünceiszné Józsa, Zsuzsanna (1993): Ein
ungarndeutsches Dorf im Bakonywald, Pula. Diplomarbeit
Halász, Béla (Red.) (2000): Veszprém megye földrajzi
nevei. IV. A veszprémi járás. Budapest, S. 368 – 375
Kunt, Ernõ (1980): Hiedelemrendszer és társadalmi
parancs. A magyar nép halotti szokásainak társadalmi vonatkozásai. In: Frank,
Tibor – Hoppál, Mihály (Red.): Hiedelemrendszer és társadalmi tudat. Budapest,
Band I. S. 324-332.
Kunt, Ernõ (1983):
Volkskunst ungarischer Dorffriedhöfe. Budapest
Leitold, István (2000): A
pulai családok élete. Handschrift, Pula
Manherz, Károly – Wild, Katalin (1990): Zur Sprache
und Volkskultur der Ungarndeutschen. Budapest
Reményi, Antal (2000): Pula 250 évének
változásaiból. In: Veszprém Megyei Honismereti Tanulmányok XIX. Veszprém, S.
85-95
Sax, Ibolya (2000): Der Tod, das Begräbnis und die
Friedhofskultur der Deutschen in Werischwar/Pilisvörösvár, mit besonderem
Hinblick auf die deutschen Grabinschriften. In: Beiträge zur Volkskunde der
Ungarndeutschen. Hrsg. Karl Manherz. S. 71-154
Soltész, Katharina (1999): Zu den Grabmotiven in den
ungarndeutschen Friedhöfen des Komitates Branau/Baranya. In: Beiträge zur
Volkskunde der Ungarndeutschen. Hrsg. Karl Manherz. S. 7-19
Schreiner, Elisabeth (1999): Der Anfang und das Ende
eines Menschenlebens bei den Deutschen in Sawer/Székelyszabar. In: Beiträge zur
Volkskunde der Ungarndeutschen. Hrsg. Karl Manherz. S. 91-107
Szentfülöpi, Anton (1988): Zur Nationalitätenpolitik
in Ungarn zwischen den zwei Weltkriegen und zur Geschichte des Ungarnländischen
Deutschen Volksbildungsvereins. In: 300 Jahre Zusammenleben – Aus der
Geschichte der Ungarndeutschen. Internationale Historikerkonferenz in Budapest
(5-6. März 1987). Budapest
Trauergesänge
·
Gesänge,
die vom Trauerzug gesungen wurden:
"Zur Leichenbegängniss":
1. Erbarme dich meiner o Gott, nach deiner grossen Barmherzigkeit
Und nach der Menge deiner Erbarmungen lösche aus meine Missetat.
Der Tod hat mich getroffen
Mein Herz wird schon verdorren
O mein Herr Jesus! O mein Herr Jesus!
Nehme auf, nehme, nehme barmherzig auf
Meine arme Seele!
2. Wasche mich mehr und mehr, von meiner Ungerechtigkeit
Und reinige mich von meinen Sünden
Der Tod hat …
3. Denn ich erkenne mein Verbrechen,
Und meine Sünd schwebet stets vor mir.
Der Tod hat …
4. Dir allein hab ich gesündigt und übles vor dir getan,
Damit dich deine Gebote rechtfertigen, wann du richten wirst
Der Tod hat …
5. Denn siehe in Ungerechtigkeit bin ich empfangen
Und in Sünden hat meine Mutter mich geboren
Der Tod hat …
6. Mit Ysop wirst du mich besprengen, und ich werde gereinigt werden,
Waschen wirst du mich, und ich werde weisser als der Schnee
Der Tod hat … [11]
„Durch die Gnade…”:
1. Durch die Gnade meines Jesus
Hab’ ich schon mein Ziel erreicht
Durch dessen grosse Verdienste
Warte ich die Seeligkeit
O mein Gott, o mein Gott!
Hilf mir in letzter Not,
Nimm mein’ Seel’ zu dir o Gott!
2. Da ich lebte hier auf Erden
Hab’ ich mich nur dir verpflicht
All mein Tun und all’ mein Wirken
Wurde dir zu Lieb verricht
O mein Gott …
3. Siehe nicht auf mein Vergehen
Auf meine sündigen Schrift.
Die unendlichen Verdienste
Deines Sohn’s ich dafür bitt.
O mein Gott …
4. Gib dass ich mit Christus-Scharen
Sehen mög’ das ewige Licht
Und mit dem heiligen Geiste
Loben kann dich ewiglich.
O mein Gott … [12]
„Zum Libera”:
1. Bewahre mich, o Herr! vom ewigen Tode
Und von aller Gefahr an dem jüngsten Tage
Wenn Himmel und Erd’, wie Gott gesagt vergeh’n
Und kommen wirst die Welt durch Feuer zu richten.
2. Zittern und Furcht befällt mich wenn ich gedenke
An das letzte Gericht, ich sündhafte Seele
Furchtbar wirst du o Tag! wenn Gott kommt zu rechnen
Und uns arme Sünder durch Feuer zu richten.
3. Jener Tag des Zornes! du Tag der Bedrängniss!
Tag des grössten Jammers der bittersten Schreckniss
Wenn du o Gott, der warst und auch ewig wirst sein
Einst kommen wirst die Welt durch Feuer zu richten.
4. Verleihe ihm o Herr! die ewige Ruhe
Und das ewige Licht leuchte ihm wie Sonne
Gönne ihm deine Gnad’, dass er zu dir komme
Und vor deinem Throne, Allezeit dich lobe.[13]
"Das Schicksalslied":
1. Das Schicksal darf keinen verschonen
Der Tod verfolgt Zepter und Kronen.
Eitel, eitel ist zeitliches Glück
/: Alles, alles fällt wieder zurück. :/
2. Der Leib von der Erde genommen,
Kehrt dorthin, woher er gekommen.
Reichtum, Schönheit, mit glänzender Macht,
/: Alles decket die ewige Nacht :/
3. Die Zedern verfaulen, wie Stauden.
Die Rosen verwelken, wie Rauden,
Alles unter der Sonne vergeht.
/: Nur die einzige Tugend besteht :/
4. Auch dich wird der tod noch abfordern,
Auch du wirst im Grabe vermodern.
Heute war nur die Reihe an mir.
/: Morgen ist sie vielleicht auch an dir :/ [14]
· Am Grab gesungene Trauerlieder:
„Waldeslust”:
1. Waldeslust! Waldeslust!
Oh, wie einsam schlägt die Brust.
/: Ihr lieben Vögelein
Stimmt eure Lieder ein,
Und singt aus voller Brust
Die Waldeslust. :/
2. Waldeslust! Waldeslust!
Oh, wie einsam schlägt die Brust.
/: Kommt einst der Tod herbei.
Ist mir das einerlei:
Legt mich zur kühle Ruh,
Und singt dazu!
Waldeslust, Waldeslust! :/
„Urlaub nehm ich…”:
Urlaub nehm ich, ihr
Freunde meine, (Urlaub nem ich, ir freide meine,
Zuletzt noch bei dem Grabe, Culet noh bei den grábe, mein
Mein Leib muß in den Grab
hinein Leib mus in den grab hinein
Die Seele ich nicht mehr habe Di sel ich nicht mer
habe
Gott weiß allein, wo sie wird sein Gott
veis alein vo si vierd sein
Vielleicht in dem Fegefeuer Fileiht
in den fegfeier
Betet für mich und bittet Gott Betet
für mich und bitet Gott
Daß er mir völlig verzeihe. Das
er mir vol ferceihe. )[15]
Grabinschriften
1.
Hier Ruhet Hier Ruhet
in
in
Jesu nahmen Jesu nahmen
ERNES ERNES
SAFNER SAFNERIN
lebet jahre lebet
75 jahre
gest gest
1942 13 febr
Friede seine Asche!
Erichtet von inen
Kindern!
2.
Hier Ruhet Hier Ruhet
in in
Jesu Nahme Jesu Nahme
JOSEF JOSEF
KOCSIS
KOCSISIN
gelebt 78 jahr geb. MARIA
gest 5 juni 1943
AMREIN
gelebet
Friede ihre Asche gest
Friede ihre Asche
8.
Hier Ruhet
JOHAN HAAS
gebr. 1869 – gest. 1942
JOHAN HAASIN
gebr. Katharine Leichtold
gebr. 1873. gest. 1938. 29 März
Friede seine Asche!
25.
Hier Ruhet
lebte 59 Jahre
nnd seine Gatin
MÁRIA MOLNÁR
lebte 53 Jahre
sind Gestorben 1925
Ruhet in Frieden
28.
HIER RUHET IN NAMEN JESU
JOSEF VISZT
ALT 16 JAHRE
GESTORBEN AM 14. März 1916.
Geliebt und nie vergessen!
38.
in Jesu nahmen
Hier Ruhet
Josef Gróf
lebt 42 jahre gst. 1915.5 märz
und seine Kindern
Anna
lebt 19 jahre gst. 1915. 7 märz
Josef und Franz
Friede seine Asche!
Erichtet von seine gatin
Rosalia Hauk
41.
Hier Ruhet
BARBARA
KARREHRIN
gestorben in Jahre 1889
in ihrem 23 Lebensjahr
Gott gebe ihr
Die ewige Ruhe!
46.
HIER RUHET HIER RUHET
IM NAMEN JESU IM NAMEN JESU
TEREZIA JOSEF
STEIERLEIN STEIERLEIN
GEB. TEREZIA GEB. 1846
GEST. 1922
ROCHRER
GEB. 1852 GEST.
1932
FRIEDE IHRER
ASCHE!
49.
IM NAMEN JESU IM NAMEN JESU
BARBARA ANDREAS
TASNER TASNER
GEB. KUGLER GEB.
1846 GEST 1912
GEB. 1848
GEST. 1922
FRIEDE
IHRER ASCHE!
GEWIDMET VON IHRER KINDER
ANTON KUGLER HELENA TASNER
VON
AMERIKA
60.
HIER RUHET
IN JESU NÁMEN
STEFÁN HÁZZ
IST GEBOREN 1860
HAT GELEBET 84 JARE
GESTORBEN 1944
GEBORENE
TEREZIA CZEINERIN
IST GEBOREN 1868
HAT GELEBET JARE
GESTORBEN 1951
UND IRE ELTEN
MIHÁLY CZEINER
UNT MUTER GEBORENE
VÁGÓ ERZSÉBET
DER
TAG UNSERES LEBENS HAT SICH
SHONGENEIGET HER BLEIB BEI UNS
UND NIM DICH UNSER AN FÜHRE UNS
NACH DEINEM VEG IN DAS EVIGE HIMELS
ZELT
MIHR ERBINTTEN UNS ZUM LOHN SCENKE
UNS DIE EVIGE HIMELS KRON
62.
Hier ruhet
Francz Steierlein
seine Gattin
Barbara Steierlein
gestorben in ihren 21 Lebens
Jahre 1909.
Friede ihrer Asche!
63.
FRANZ STEIERLEIN
SEINES ALTERS 22 JAHRE
GESTORBEN DEN 28 JÄNER
1887
Fride seiner Asche!
67.
Hier Ruhet Hier Ruhet
in in
Jesu Nahme Jesu Nahme
JULIUS JULIUS
TASNERIN TASNER
geb
77.
Hier ruhet
der den 2 Apr 1917 fürs
Vaterland gestorbene
Er lebte 23 Jahre
Ruhe mit dem in den Kar-
paten gefallenen Bruder
JOHANN
Errichtet von den
trauernden Eltern
86.
HIER RUHET
JOHANN LEITOLDIN
GEB. ANNA MARIA
LEITOLD
LEBTE 19 JAHRE
GESTORBEN 21 FEBER
1915
RUHE SANFT!
ERRICHTET VON IHREN TRAUERNDEN
ELTERN
88.
89.
Hier ruhet
JOSEF ROHRER
gestorben 1890
in seiner 66. Lebensjahre
und seiner Gattin
ANNA HEITER
gestorben 1906
in ihrer 82 Lebensjahre
Friede ihrern Asche!
92.
Hier ruhet
JOSEF HAAS
hat gelebt 43 Jahre
gestorben im Jahre 1884
sammt seiner Gemahlin
ANNA ROSTA
hat gelebt 28 Jahre
gestorben im Jahre 1873
Friede ihrer Asche!
97.
STEFAN TASCHNER
alt 61 Jahre
gestorben den 1-März
1890
und seiner Enchel
MARIA TASCHNER
alt 8 Jahre
gestorben mit ihre Grosfater
in einen minute den 1-März
1890
Friede ihrer Asche!
102.
Hier
ruhet
ADAM
KRONEISZIN
geb. THERESIA KLUNG
geb. Im Jahre 1828
gest. Im Jahre 1892
Friede ihrer Asche
Hingestellt von ihrer
Tochter
MARIA KRONEISZ
104.
Hier ruhet Hier ruhet
ADAM FLORIAN
KRONEISZ KRONEISZ
geboren im geboren im
Jahre 1828 Jahre 1894
Friede ihrer Asche!
Hatt hingestellt MARIA KRONEISZ
105.
geboren 1842. Gögicz
gest. am 14 jän
geboren 1843
1911 gest. am 3 april
1910.
Ruhet in Frieden!
106.
Hier Ruhet
JOSEF HOLZERIN
gebr.
Scholastika Inhoff
gebr.
1877. gest. 1923. 12 März
Friede seine Assche!
In
Meinem Sanften Todes
Schlaffe
hab ich mier Jesus
auserwelt
er ist mein Freiester
Wachter
über meinem Grabes
Hügel.
107.
Hier
Ruhet
JOSEF
HOLZER
geb. im Jahre 1867 den
12 November.
gest. 1940 den 28 Dezember
Der
Tag meines Lebenz hat
sih
schon geneiget. Her bleib
bei
mier und nim Dich meiner an!
Führe
mich nach deinem Weg
in
das Ewige Himels Zelt.
Ich
erbitte mir zum Lohn
Schenke
mier die Himels Kron.
110.
alt
67 Jahre
gestorben im Jahre 1916
und seine Gattin
BARBARA RÕTH
alt 66 Jahre
gestorben im Jahre 1916
FRIEDE IHRER ASCHE!
111.
Hier ruhet
JOSEF HAAS
lebte 7 ½ Jahre
gest am 29 Jäner 1905
und seine Geschvister
MARTIN
TEREZIA
KATARINA
Friede ihrer Asche
117.
Hier ruhet
ANTON KRANEIS
und sein Sohn ANTON
gestorben am 28 Julii
1892
in seine 32 Lebensjahren
Friede seiner Asche!
120.
Jesu nahmen Jesu
nahmen
STEIXNER SCHLEGEL
lebt 54 jahr lebt
64 jahre
gest. 1923 gest.
maj 27
20. august 1920
Friede seine Asche
121.
In Jesu namen
Jüngling
MICHAEL ROSTA
lebte 19 Jahre
gest. den 10 April 1934.
und
seine Schwester Katarina
Errichtet von den tiefbetrüten
Eltern
Friede ihre Asche.
122.
HIER RUHET
IM NAMEN JESU
STEFAN STEIERLEIN
ALT 19 JAHRE
GEST. AM 27 OKT. 1924
MIT
SEINE 2 GESCHWISTERN
FRIEDE INER ASCHE!
AUF GESTELT VON SEINE
TREUERN ELTERN
132.
Hier ruht in Gott
der ehrengeachtete
PAUL STEIXNER
geb. am 25. april. 1864.
gest. am 29. merz. 1928.
és neje
HÁÁZ VERA
szül.
1870. – 1944.
Ruhe in frieden!
133.
ANNA
STUMPF
Friede ihrer Asche
136.
ANDREAS
STEIERLEIN
gestorben den 26 mär 1867
in seiner 21 Lebensjahre
Friede seiner Asche
139.
JESUS IST UNSERE AUFERSTEHUNG
HIER RUHEN
JOHANN FISCHER
1880 – 1958
UND
SEINE GATTIN
ANNA
SZEGLETES
1887 – 1972
Die gerecht sind leben ewig, und
ihren Lohn finden Sie bei Gott.
ZUR ERINNERUNG AM DIE LIEBEN ELTERN
UND GROSELTERN
KATHARINA
DIE TOCHTER UND JOSEF.
140.
Hier ruhet
MICHAEL ERTLI
geboren den
1893
gestorben den 3 Mai
1896
Friede seiner Asche
154.
geborene
Maria
Scheller
geboren den 3 Sept 1879
gestorben
den 15 Oct. 1899
Gott segne ihrer Seele!
155.
In
Jesu namen
Hier Ruhet
JOHANN THER
gest. am 8 April 1918.
in 43 lebenjahr
UND SEINE GATTIN
MARIA MERK
1886 – 1967
FRIEDE
SEINER ASCHE!
Gewitmedt von seiner
tiefbetrübten Gattin
157.
Hier ruhet
TERESIA
LEITALT geborene Weinhard
alt
50 Jahr gestorben 1884
158.
Hier Ruhet in
Jesu Nahmen
MARTIN KNOLL
geb. im jahre 1875
gest. im jahre 19
und seine gattin
EMILLIE SAFNER
geb. im jahre 1877
gest. im jahre 1943
Friede Ihre Asche
168.
alt
32 Jahre
und
seiner Gattin
alt
28 Jahre
am 25 okt
bei Grosse feier
erslicht.
Friede ihrer Asche.
169.
Hier
ruhet
Eva Leitold
in geborene MERSE
hat gelebet 94 Jahre
gestorben im Jahre 1898
Friede ihre Asche!
170.
Hier ruhet
ELISABETH
TASCHNER
alt 98 Jahre
gestorben 25 Mai
1900.
Friede ihrer Asche
171.
Hier Ruhet
STEFAN HEITER
geb. im jahre 1859.
gest. im jahre 1909.
und seine gatin
KATHARINE
HOLZHANZER
geb. im jahre 1867.
gest im jahre 1941.
Friede ihre asche!
Der
tag unseres Lebens hat sich
Schon
geneiget.Her bleib bei
Uns
und nim dich unser an
Führe
uns nach deinem Veg in
Das
Evige Himels Zelt. Mihr erbitten
Uns
Zum Lohn. Schenke uns die
Ewige Himels Kron
172.
geb. 1900
am 12 märz.
gest.
1925 am 30 juli.
Friede seiner Asche.
179.
JOSEF KLUG
lebt 71 Jahre gest. 1933.
und seine gattin
APOLONIE SETL
lebt 77 jahre. gest. 1950
und ihre kinder.
Friede ihre Asche!
182.
hier ruhet
JOHANN HOCK
geb. im Jahre 1887
gest. im Jahre 1887
3 Wohe alt
189.
Hier ruhet
JOSEF KLUNGIN
geb. Katarina Ceiner
lebte 24 Jahre
gest 8 Apr 1923
AMBRUS KLUNG
lebt 1 Jahre
gest. 1924
Errichtet von den
trauernden Eltern
191.
geb. lebet
87 jahre
Elisabet 1952
Kugler
lebet
1930
Friede seine
Asche!
193.
SZAFNER NÁNDOR Hier
Ruhet
1895 – 1946 Johan Safner
ÉS NEJE lebt 6½ jahre. gest. 1936
CZEINER ERZSÉBET 10 dez.
1895 – 1961 und seine geschwister
Béke hamvaikra. Ferdinand Hanzing
und
Maria
Friede
seine Asche!
Errichtet von tiefbetrübten
Eltern
196.
in Jesu namen
Hier ruht in Gott
STEPFAN SAFNERIN
geb.
Anna Stumpfin
geb. am 1877 gest. am 1931
16 júli.
STEPFAN SAFNER
geb am 1870. gest. 1947
Ruhe in Frieden
208.
HIER
RUHET
MARIA SAFNER
GEBOREN
ANDREAS SAFNER
210.
ANDREAS SAFNER
geb. d. 29ten Sept 1870
zum Trauer seiner Eltern
gest. d. 17ten Feb. 1883.
Friede seiner Asche
212.
Hier
Ruhet in Jesu nahmen
geb. Emillie Safner
gest. 1928 mit 24 jahre.
Friede Ihre Assche
Erichtet von ihre betrübte
Eltern.
217.
HIER RUHEN
FRIEDEN
KATHARINA LEITOLD
18 JAHRE ALT
+ AM 15 1863
UND EMILIA LEITOLD
3 JAHRE
218.
Hier ruhet
Martin Leitold
hat gelebet 76 Jahre
gestorben im Jahre 1912
Mit samt seinen Gemalinen
Katarina Mehler
hat gelebet 45 Jahre
gestorben im Jahre 1889
Teresia Stahl
hat gelebet 55 Jahre
gestorben im Jahre 1900
Friede ihrer Asche
219.
te
Stefan Szafner geboren
4ten
August 1806 gestor
ben 2ten August 1863
gelebt 58 Jahre
220.
gestorben den 16 nov. 1864
in seiner 53 Lebensjahre
und seiner Gattin
THERESIA JÁGER
gestorben
den 29 febr. 1872
in seiner 67. Lebensjahre
Gott
gebe ihnen die ewige Ruhe
228.
Hier ruhet
ANTON KRANEIS
235.
Hier Ruhet Hier Ruhet
In Frieden in
Frieden
JOHANN
LEITOLD
236.
Jungling
JOHANN WERB
alt 18 Jahr
gestorben 1908
Ruhe sanft!
241.
alt 66 Jahr
gestorben 1907
242.
JOSEF
MERSE
gestorben im Jahre 1906
in seiner 75. Lebensjahre
seiner Gattin
Karolina Steilein
alt 66 Jahre
Gott segne ihren Seele!
1. Das Ansiedlungsmonument
2. Die Kirche
3. Blick auf den Friedhof
4. Die Leichenhalle
5. Grundriß des Friedhofs
6. Ein umgestürzter Grabstein
7. Ein einfaches Kreuz (Inschrift 110.)
8. Ein Säulenkreuz (Inschrift 158.)
9. Ein Doppelgrabstein (Inschrift 120.)
10. Ein Doppelgrabstein (Inschrift 49.)
11. Grabstein eines Säuglings mit dem Platz einer Blumenverzierung (Inschrift 182.)
12. Grabstein mit Trauerweide (Inschrift 212.)
13. Grabstein mit dem Foto des Verstorbenen (Inschrift 28.)
14. Eine zweisprachige Inschrift (132.)
15. Grabstein eines Soldaten im Kirchhof
16. Grabstein mit Grabgedicht (Inschrift 106.)
17. Grabstein mit Grabgedicht (Inschrift 107.)
18. Der Grabstein mit Frakturschrift (Inschrift 219.)
19. Die Schriftplatte des Grabsteins 219.
20. Inschrift 60.
21. Inschrift 89.
22. Inschrift 155.
23. Inschrift 157.
24. Inschrift 169.
25. Inschrift 105.
[1] Grünceiszné 1993:12
[2] siehe Grünceiszné 1993:15
[3] Die Texte dieser und der folgenden Lieder befinden sich im Anhang.
[4] Dieses Lied wird auch bei Sax 2000:92 zitiert, aber nur die erste Strophe stimmt mit dem Lied in meiner Sammlung überein.
[5] siehe Soltész: 1999, S. 15
[6] Auf den 10 Doppelgrabsteinen gibt es Beginnformeln an beiden Schriftflächen, dementsprechend werden sie doppelt gezählt.
[7] Der Grund dafür, daß das Sterbedatum in den im Anhang stehenden Inschriften manchmal doch nicht aufgezeichnet ist, liegt in der Unlesbarheit einiger Zahlen am Grabstein.
[8] Die Schlußformel kommt nur auf einem Doppelgrabstein doppelt hervor, bei den anderen bezieht sie auf beide Verstorbenen.
[9] Wie bei Josef Banner, wird auch hier der eindeutigere Begriff "Taufname" statt des amtlichen "Vornamens" gebraucht.
[10] Siehe Anhang
[11] Zitiert aus: Gesang- und Gebetbuch zum Gebrauch der Deutsch-Ungarischen kath. Schulkinder und Gläubigen.
[12] ebenda
[13] ebenda
[14] Zitiert aus: Leitold: 2000, S. 2
[15] Abgeschrieben von Frau Steierlein.